okay. zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung und Integration
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Sprache: "Reda, wia oam da Schnabl gwachsa isch"*

*auf Hochdeutsch: Reden, wie einem der Schnabel (= Mund) gewachsen ist

Stand: 2005

 

Eigentlich ist ja Deutsch die Amtssprache in Vorarlberg, doch das, was Sie hier auf der Straße hören, ist nur selten reines Deutsch. Die häufigste Umgangssprache ist die alemannische Mundart, die in ähnlicher Form auch in der benachbarten Schweiz und – in einer als Schwäbisch bezeichneten Variante – auch am deutschen Bodenseeufer gesprochen wird. Dabei gibt es aber starke lokale Differenzen, sodass Menschen, die hier aufgewachsen sind oder schon länger hier leben, an der Sprache erkennen können, aus welchem Teil Vorarlbergs oder gar aus welcher Gemeinde jemand stammt (auffälligstes Beispiel: Lustenau, wo ein besonders ausgeprägter Dialekt gepflegt wird).

Diese Sprache ist natürlich weniger förmlich als das amtliche Hochdeutsch und sie ist nicht einfach nur ein Kommunikationsmittel. Sie dient auch als Mittel der Differenzierung und Abgrenzung – etwa gegenüber ZuwanderInnen. Die Nachkommen von ZuwanderInnen wachsen aber meist mit dieser Sprache auf – und gehören oft zu denen, die sie am besten beherrschen. Die Mundart wird nämlich nicht in allen Kreisen gleich gern gesehen – in wohlhabenderen Familien gilt sie manchmal als "Arme-Leute-Sprache". Da wird dann eher Hochdeutsch oder eine verhochdeutschte Umgangssprache gepflegt, die in Bregenz und Dornbirn als "Pfänderdütsch" oder "Bödeledütsch" bezeichnet wird (benannt nach dem jeweiligen Hausberg, an dessen Hang sich die so genannte bessere Gesellschaft angesiedelt hat).

"Ghörig tua im subra Ländle!"*
*auf Hochdeutsch etwa: Sich ordentlich benehmen im sauberen Ländchen Vorarlberg.

Und die Sprache ist auch ein ideologisches Instrument: Die Verkleinerungsform, die im Alemannischen sehr verbreitet ist (man kommt "a Kläle uf a Sprüngle ins Hüsle", man kehrt also kurz in einem Haus ein), kann auch verharmlosen – oder, wie im Fall des Begriffes "Ländle" für Vorarlberg, dazu dienen, Sympathie für ein eher abstraktes Gebilde, nämlich ein Bundesland, zu erzeugen. Diesen Effekt möchten auch die Vermarkter heimischer Produkte nutzen, weshalb viele Lebensmittel mit dem "Ländle"-Zusatz versehen sind – die Palette reicht vom "Ländle-Apfel" bis zur "Ländle-Wurst".

Und "ghörig" (für: ordentlich) und "subr" (für: sauber) muss man sein, wenn man hier nicht auffallen will. Aber was genau "ghörig" und "subr" bedeuten, ändert sich und wird immer wieder neu definiert.

"Schaffa, spära, husa – dKatz varkofa, selbar musa."*
*auf Hochdeutsch: "Arbeiten, sparen, haushalten – die Katze verkaufen und selbst die Mäuse jagen."

Mundartliche Redensarten sagen natürlich auch etwas aus – über Klischees und Selbstbilder, über Tugenden und Erwartungen. Das Klischee von den arbeitsamen und sparsamen VorarlbergerInnen gehört dazu, aber dieses Klischee wird natürlich auch anderswo gepflegt – beispielsweise im benachbarten deutschen Bundesland Baden-Württemberg, wo die Schwaben und Schwäbinnen den Ruf haben, besonders fleißig und sparsam zu sein, und wo das Land, obwohl größer als ganz Österreich, ebenfalls "Ländle" genannt wird.

Mundartliche und regionale Unterschiede finden sich übrigens in vielen Bereichen des Alltagslebens: So reichen etwa die Grußformeln vom landesüblichen "Grüß Gott" über das persönliche "Servus" bis zum einfachen "Hoi" und dem umstrittenen "Heile" (wobei diejenigen, die sich so grüßen, oft gar nicht mehr wissen, dass das "Heil" vom NS-Regime als Gruß erzwungen wurde). Und auch für die Verwendung des förmlichen "Sie" oder des vertrauten "du" gibt es keine gültigen Regeln: In manchen ländlichen Gegenden wie dem Bregenzerwald wird jeder mit "du" angesprochen, anderswo ist unter (erwachsenen) Fremden das "Sie" üblich. Im Zweifelsfall erregt man bei falscher Verwendung mit dem "Sie" weniger Anstoß als mit dem "du".

"Ich Österreicher, du Türke!"
Eine Besonderheit des deutschen Sprachraums ist natürlich auch in Vorarlberg zu beobachten: die sprachliche Regression im Umgang mit fremdsprachigen Menschen (nach dem Vorbild "Ich Tarzan, du Jane!"). Um sich bei Menschen, welche die deutsche Sprache anscheinend nicht perfekt beherrschen, verständlich zu machen, wird oft eine Art Primitiv-Sprache verwendet, die in jeder Hinsicht unkorrekt ist, die aber von den BenützerInnen als leichter verständlich empfunden wird: Den Satz "Du kommen mit in Büro" gibt es nun einmal in der deutschen Sprache nicht, aber austreiben lässt er sich nur schwer. Unser Tipp: Entgegnen Sie den radebrechenden Einheimischen so korrekt es Ihnen möglich ist, dann fragen sich nämlich vielleicht allfällige Zuhörer und Zuhörerinnen mit der Zeit, wer von den beiden denn nun der oder die Fremdsprachige ist.

Die meisten Vorarlberger und Vorarlbergerinnen haben in der Schule auch Englisch gelernt und in vielen Tourismusgebieten kann man sich manchmal auch auf Französisch oder Italienisch verständigen. Andee Sprachen werden nur innerhalb der damit aufgewachsenen Zuwanderergruppen gesprochen, auch wenn sich neuerdings Türkischkurse an den Volkshochschulen zunehmender Beliebtheit erfreuen.

 

 

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Sas, 27.01.2010