okay. zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung und Integration
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Downloads:
Empfehlungspapier Islamischer Friedhof
okay-Studien, Nr. 2, 2004, Islamischer Friedhof



Eine Begräbnisstätte für MuslimInnen in Vorarlberg

Hintergrund

Die Zuwanderung nach Vorarlberg hat auch die religiöse Landschaft des Landes nachhaltig verändert. MuslimInnen bilden heute mit rund 9 % die zweitgrößte Religionsgemeinschaft. Rund 50 % dieser Menschen waren mit Jahresende 2003 bereits österreichische StaatsbürgerInnen. Damit steigt die Notwendigkeit der Schaffung religiöser Institutionen für die Vorarlberger MuslimInnen wie auch die Ausrichtung bestehender Institutionen auf die neue religiöse Heterogenität des Landes.

In der Frage der Errichtung einer muslimischen Begräbnisstätte sind die Gemeinden in einer besonderen Weise gefordert. In beinahe allen Gemeinden Vorarlbergs leben MuslimInnen. Nicht jede Gemeinde jedoch wird eine den religiösen Vorschriften entsprechende Begräbnisstätte für ihre muslimischen BewohnerInnen errichten können. Die Gemeindekooperation ist in dieser Frage eine Notwendigkeit.

Von Januar bis November 2005 arbeitete daher eine gemeinde-übergreifende Arbeitsgruppe im Auftrag des Vorarlberger Gemeindeverbandes, geleitet und moderiert von "okay. zusammen leben" und unter Beteiligung der islamischen Gemeinschaften, der Katholischen Kirche und des Landes an einem Empfehlungspapier zu dieser Frage.

2006 soll auf Basis dieses Prozesses und dem daraus gewonnen Wissen die Standortfrage für die Errichtung einer ersten Anlage geklärt werden.


Chronologie des Prozesses

  • Herbst 2003: Die muslimischen Gemeinschaften des Landes gründen die Initiativgruppe Islamischer Friedhof.
  • Herbst 2003 - Herbst 2004: Elisabeth Dörler erarbeitet im Auftrag von "okay.zusammen leben" die Studie "Eine Begräbnisstätte für Muslime in Vorarlberg" als inhaltliche Grundlage für EntscheidungsträgerInnen.
  • August 2004: Die Islamische Religionsgemeinde Bregenz der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und die Initiativgruppe Islamischer Friedhof stellen den Antrag auf Errichtung eines Friedhofs an die Vorarlberger Landesregierung.
  • November 2004: Der Vorarlberger Gemeindeverband initiiert den Arbeitskreis "Eine Begräbnisstätte für Muslime in Vorarlberg".
  • November 2005: Übergabe der Empfehlung des Arbeitskreises an den Vorarlberger Gemeindeverband.
  • 2006: Entscheidung über den Standort einer ersten Anlage für ca. 300 Gräber.



Empfehlungspapier des Arbeitskreises "Eine Begräbnisstätte für Muslime in Vorarlberg"

Der Arbeitskreis wurde vom Vorarlberger Gemeindeverband im November 2004 initiiert. Er arbeitete von Januar bis Oktober 2005 und traf sich in sieben Sitzungen.

Das vorliegende Empfehlungspapier (siehe Download) basiert inhaltlich auf der Grundlagenstudie von Elisabeth Dörler, "Eine Begräbnisstätte für Muslime und Musliminnen in Vorarlberg" (siehe Download), die detailliert über den Islam in Vorarlberg, islamische Bestattungsvorstellungen und ihre Praxis außerhalb islamischer Länder sowie über die rechtlichen Grundlagen der Frage informiert.

Mitglieder des Arbeitskreises:

  • Othmar Müller (Vorarlberger Gemeindeverband, Geschäftsführer)
  • Edgar Lecher (Stadt Dornbirn, Finanzabteilung)
  • Johannes Schneeberger (Stadt Feldkirch, Gruppe Allgemeine Dienste)
  • Hugo Rogginer (Bürgermeister Marktgemeinde Hard)
  • Wolfgang Bösch (Gemeinderat Marktgemeinde Lustenau)
  • Marianne Kofler (Land Vorarlberg, Abteilung Kultur)
  • Abdi Tasdögen (Islamische Religionsgemeinde Bregenz der IGGiÖ, Vorsitzender)
  • Attila Dincer (Initiativgruppe Islamischer Friedhof, Sprecher)
  • Elisabeth Dörler (Katholische Kirche Vorarlberg, Islambeauftragte)
  • Prozessleitung und -moderation: Eva Grabherr (okay. zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration)
  • Dokumentation: Simon Burtscher (okay. zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration)


Zusammenfassung der Empfehlungen:

Der Arbeitskreis erarbeitete seine Empfehlungen anhand eines Kataloges von zehn Themenbereichen. Die nachfolgende Auflistung fasst die Empfehlungen in sechs Kernpunkten zusammen.

  • Der Arbeitskreis empfiehlt im Sinne der Schaffung dezentraler Strukturen die Errichtung von mehr als einer islamischen Begräbnisstätte in Vorarlberg. Auch wenn zunächst mit der Errichtung einer Begräbnisstätte an einem Ort begonnen wird, sollte das längerfristige Ziel die Errichtung von Begräbnisstätten an mehreren Standorten sein.
  • Es ist zweckmäßig, die neu zu errichtenden Begräbnisstätten für Muslime und Musliminnen in Vorarlberg als überregionale Einrichtungen zu etablieren.
  • Empfohlen wird für den Beginn die möglichst rasche Realisierung eines Gräberfeldes für ca. 300 Gräber.
  • Die Begräbnisstätten müssen MuslimInnen aller islamischer Gemeinschaften und Richtungen offen stehen.
  • Die Begräbnisstätten können sowohl als neu zu errichtende Einzelanlagen wie auch als Erweiterungen bereits bestehender Friedhöfe angelegt werden. Insbesondere, wenn die Option der Einzelanlage gewählt wird, ist die Schaffung entsprechender Nebenanlagen (Aufbahrungsraum, Raum für die rituelle Waschung) erforderlich.
  • Bezüglich Trägerschaft empfiehlt der Arbeitskreis eine Kommune (Standortgemeinde) als Träger oder eine konfessionelle Trägerschaft. Beide Modelle sind sowohl für die Option "Erweiterung einer bestehenden Anlage" wie auch die Möglichkeit der Errichtung einer Einzelanlage geeignet.



Die Besonderheiten des Vorarlberger Prozesses

  • Arbeit an einer Gemeinde-übergreifenden Lösung: Muslime aus allen Vorarlberger Gemeinden sollen auf der/den zu errichtenden Begräbnisstätte/n begraben werden können.
  • Repräsentative Einbindung aller muslimischer Gemeinschaften durch die Kooperation der "Religionsgemeinde Bregenz" der "Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich" und der "Initiativgruppe Islamischer Friedhof", die die islamischen Gemeinschaften im Land auf breiter Basis repräsentiert.


Informationen zum Prozess:
okay. zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration (Eva Grabherr)
eva.grabherr@okay-line.at

 
Downloads:
Empfehlungspapier Islamischer Friedhof
okay-Studien, Nr. 2, 2004, Islamischer Friedhof