okay. zusammen wohnen
Der workshop bot Information zum Thema "Wohnen und
Integration" und über im Bodenseeraum laufende oder geplante
Projekte und Programme, schuf einen Rahmen für die gemeinsame Erhebung
der Problemlage und die Diskussion von Lösungsansätzen und diente der
Sensibilisierung von Akteuren in Gemeinden, Städten, im Wohnbauwesen, in
der Gemeinwesenarbeit etc. für Integrationsfragen, die sich im Wohn-
und Siedlungsbereich stellen. 70 Fachleute und VertreterInnen
verschiedenster Organisationen nahmen an der Veranstaltung am 27. März
2003 teil.
In der Serviceleiste steht die okay-Studie, Nr.
1/2003 – okay. zusammen wohnen: Wohnen und Integration in Vorarlberg
als Download zur Verfügung. Die Studie dokumentiert die Ergebnisse der
Vorstudie zur Programmschiene "Wohnen und Integration" und des workshops
zum Thema vom 27. März des Jahres 2003. Die Vorstudie beruht auf
aktuellen Daten, Literatur, Gesprächen mit Entscheidungsträgern und
Akteuren des Bereichs sowie Besichtigungen von Siedlungen von September
2002 bis März 2003. Der Workshop fand im Rahmen des Programms
"Lebensräume – Lebensträume" der Bodensee Agenda 21 mit 70
TeilnehmerInnen aus allen für diesen Themenkomplex relevanten
Berufsfeldern aus Vorarlberg, aber auch aus der benachbarten Schweiz und
Süddeutschland statt. Den Abschluss der Studie bildet eine
zusammenfassende Synthese der Ergebnisse von Vorstudie und Workshop,
zusammen gefasst nach einem Phasenmodell des Planens und Wohnens.
Konzept
Eva Grabherr (okay. zusammen leben, Dornbirn) / Kenan Güngör (base.
Büro für angewandte Sozialforschung und Entwicklung, Basel)
Programm
"Wohnen und Integration" in Vorarlberg
Dr. Eva Grabherr,
Geschäftsführerin "okay. zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung
und Integration"
Soziale und auf Gemeinschaft bezogene Aspekte
in der Wohnbauarchitektur
Architekt Univ. Prof. Dietmar Eberle; ETH
Zürich, Architekturgemeinschaft Baumschlager/Eberle, Lochau
Integrale
Stadtentwicklung und Integration
Lydia Buchmüller, lic. phil.;
Stabstelle Amtsleitung HPA-P, Hochbau- und Planungsamt Kanton
Basel-Stadt (Programm "Integrale Aufwertung Kleinbasel"), gewählte
Stadtpräsidentin Stadt Arbon
Vorstellung des von "okay.
zusammen leben" geplanten Projekts "okay. zusammen wohnen" für die
sozialräumliche Aufwertung von Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus
unter besonderer Berücksichtigung von Fragen des Zusammenlebens von
Einheimischen und MigrantInnen in Vorarlberg
Dipl. Soz. Kenan
Güngör, base. Büro für Angewandte Sozialforschung und Entwicklung, Basel
Diskussion der Beiträge
Arbeitsgruppen zum Thema
Wo
liegen aus der Sicht der Workshop-TeilnehmerInnen bezogen auf das Thema
"Wohnen und Integration" Probleme, Bedürfnisse und Potentiale und
welche Handlungsansätze ergeben sich daraus?
Vorstellung der
Plattform "Interkultureller Dialog im Bodenseeraum"
Dipl. Ing. Ernst
Schwald, Bodensee Akademie, Dornbirn
Apéro
Der
workshop bot
Der
workshop diente
Inhaltliche Einführung
Der
Bodenseeraum ist seit seiner industriellen Entwicklung im 19.
Jahrhundert eine Region mit Zuwanderung. Gemeinsam ist den Ländern und
Kantonen um den See die maßgebliche Zuwanderung von Arbeitskräften aus
dem Ausland in den Nachkriegsjahrzehnten. Sie begleitete die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Raumes zu einer
wohlhabenden Region.
Zuwanderung ist eine von vielen
Herausforderungen, der sich Gesellschaften stellen müssen. Ihr
friedliche Bewältigung bedarf der Integrationsleistung der Menschen, die
kommen, und der Aufnahmebereitschaft der Menschen, in deren
Gesellschaft jene einwandern. Diese Herausforderung kann den Beteiligten
nicht abgenommen werden; es stützt sie aber, wenn Integration zu einer
Aufgabe des Gemeinwesens wird. Das wiederum erfordert die Anerkennung
der Tatsache, dass die Menschen, die als "Gastarbeiter" kamen und
kommen, geblieben sind und bleiben; die Anerkennung der Tatsache also,
dass wir eine Gesellschaft mit Zuwanderung sind.
Die Abkehr vom
"Rotationsmodell", das von auf Zeit zuwandernden Arbeitskräften
ausging, hin zur Erkenntnis, dass wir eine auch in ethnischer Hinsicht
pluralisierte Gesellschaft mit Zuwanderung sind, erfordert auch eine
neue Politik der Gestaltung dieses Phänomens. Integration ist als eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu sehen, die auf allen Ebenen und in
allen Subsystemen Bewusstsein für diese spezifische Heterogenität
unserer Gesellschaft und ihrer Folgen, Kompetenz für den Umgang damit
und die Umsetzung von Maßnahmen erfordert.
Der workshop "okay.
zusammen wohnen" will im Sinne dieses Verständnisses von Integration als
einer gesellschaftspolitischen Querschnittsmaterie Fragen des
Zusammenhangs von "Wohnen und Integration" beleuchten.
Wohnen
ist ein wichtiger Integrationsbereich für zugewanderte Menschen. Sie
sind als Gruppe (je nach Herkunftsland) in allen Anliegerstaaten des
Bodensees von sozialer Benachteiligung betroffen. Das wirkt sich
benachteiligend auf ihre Möglichkeiten auf dem Wohnungsmarkt wie auch im
Beihilfenwesen der öffentlichen Hand aus. Ein verdichtetes Wohnen von
MigrantInnen in bestimmten Wohnbereichen (in den Städten oft in
verkehrsmäßig und anderweitig belasteten Quartieren; in ländlichen
Regionen wie Vorarlberg in Siedlungen gemeinnütziger Bauträger) ist
daher in erster Linie eine Folge der schlechteren sozialen
Ausgangssituation dieser Bevölkerungsgruppe. Gerade diese
Konzentrations- und Verdichtungstendenzen von MigrantInnen in
Siedlungen, Stadt- und Ortsteilen werden von Seiten der
Mehrheitsgesellschaft – Bevölkerung, Politik und Verwaltung – sensibel
wahrgenommen und registriert.
Das Wohnumfeld ist entscheidend
für die Begegnung von InländerInnen und AusländerInnen. Das positive
Potential des Wohnumfeldes für Integration liegt darin, dass Begegnung
und Kontakt wichtige Faktoren für die Einstellung der
Mehrheitsgesellschaft zur sozialen und kulturellen Integration von
Zuwanderern sind; für die zugewanderten Menschen sind diese Kontakte
entscheidend für ihre Wahrnehmung der Tragfähigkeit des sozialen
Systems, auf das sie sich einlassen müssen. Das kritische Potential
dieses Begegnungsfeldes liegt in den Konflikten, die im Zusammenleben
auftreten können, vor allem jedoch in der "Kulturalisierung" von
Konflikten in ethnisch gemischten Wohnumgebungen.
Wichtige
Lösungsansätze, die InländerInnen wie AusländerInnen zugute kommen und
zu einem integrationsfreundlichen sozialen Klima in einem Land
beitragen, liegen auch in der Investition in die soziale Qualität der
Wohn- und Siedlungsräume. Diese Einsicht trifft sich mit aktuellen
Debatten in der Architektur, in denen eine stärkere Berücksichtigung
sozialer Aspekte wie die fortlaufende Individualisierung und das
Zusammenleben verschiedener Kulturen als Kriterien der Planung gefordert
werden.
ReferentInnen
Lydia Buchmüller, lic.
phil., Stabstelle Amtsleitung HPA-P, Hochbau- und Planungsamt Kanton
Basel-Stadt, Konzeption und Umsetzung des Programms "Integrale
Aufwertung Kleinbasel", gewählte Stadtpräsidentin Stadt Arbon.
E-Mail:
lydia.buchmueller@bs.ch
Arch. Univ. Prof. Dietmar Eberle, Architekt,
Architekturgemeinschaft Baumschlager / Eberle (Lochau), Professur für
Architektur und Entwerfen an der ETH Zürich, Leiter des ETH Wohnforums.
E-Mail:
eberle@arch.ethz.ch
Dr. Eva Grabherr, Geschäftsführerin von "okay. zusammen leben
/ Projektstelle für Zuwanderung und Integration", Dornbirn.
E-Mail:
eva.grabherr@okay-line.at
Dipl. Soz. Kenan Güngör, base. Büro für angewandte
Sozialforschung und Entwicklung, Basel, Projekte in Vorarlberg:
Integrationsleitbild der Stadt Dornbirn mit integriertem Maßnahmenplan,
Entwicklungspartner von "okay. zusammen leben" für das Projekt "okay.
zusammen wohnen".
E-Mail: k.guengoer@b-ase.ch