Programmatische Leitlinien
Integration als gesellschaftspolitische Querschnittsmaterie
Der
Abschied vom "Rotationsmodell" ("Gastarbeiterregime") von Seiten der
ZuwandererInnen wie von Seiten der Länder, in die sie eingewandert
sind, ist ein markanter Paradigmenwechsel der Politik der
deutschsprachigen Länder der letzten Jahre. Die ZuwandererInnen kamen
nicht nur als Arbeitskräfte auf Zeit; sie blieben. Und sie kamen
zunehmend mit Ehepartnern und Kindern und entwickelten all die
gesellschaftlichen Bedürfnisse, die Familien, Kinder, Jugendliche und –
zunehmend – alte Menschen an das Gemeinwesen stellen.
Die
Einsicht, dass die Pluralisierung unserer Gesellschaft – auch in
ethnischer Hinsicht – kein Übergangsphänomen ist, sondern vielmehr zu
einem permanenten Zustand wird, erfordert auch eine neue Politik der
Gestaltung dieses Phänomens. Integration ist als eine
gesellschaftspolitische Querschnittsmaterie zu verstehen, die auf allen
Ebenen und in allen Subsystemen unserer Gesellschaft Bewusstsein,
Kompetenz und die Umsetzung von Maßnahmen erfordert. Eine solche
Politik zielt nicht mehr alleine auf die fremdenpolizeiliche Verwaltung
der Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in einem Land,
sondern will – im Sinne der bestmöglichsten Nutzung des humanen
Potentials einer Gesellschaft und der nachhaltigen Sicherung ihres
sozialen Friedens - die möglichst hohe gesellschaftliche und politische
Teilhabe der dauerhaft in einem Land lebenden Menschen und deren fairen
Zugang zu den gesellschaftlichen Ressourcen.
Die Herstellung
der Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Gestaltung von
Zuwanderung und Integration ist die Aufgabe von Politik. Integration
ist jedoch auch eine Herausforderung für die Zivilgesellschaft eines
Landes: für Initiativen, Vereine und Institutionen auf Seiten der
Einheimischen wie der ZuwandererInnen. Dieses gesellschaftliche Feld
stützt Politik nicht nur und setzt auch nicht lediglich um, was von
dort verlangt wird; vom zivilgesellschaftliche Bereich sind starke und
die Politik fordernde Impulse für die Gestaltung einer nachhaltigen
Integrationspolitik ausgegangen.
Sensibilisierung, Kompetenzerweiterung, Vernetzung
Entscheidend
für die Sensibilisierung für das Thema auf allen gesellschaftlichen
Ebenen (Staat und Zivilgesellschaft) ist die Anerkennung der
gesellschaftlichen Relevanz dieser Arbeit von Seiten der Politik sowie
die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine Vernetzung und Stärkung
der Akteure, für den Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch sowie das
Kennenlernen anderorts entwickelter und praktizierter Modelle.
Veröffentlichung
"Nicht-Kommunikation"
in Sachen Zuwanderung und Integration oder eine öffentliche
Kommunikation, die Probleme verschweigt, macht die Bevölkerung
misstrauisch und erleichtert das Schüren von Ängsten. Die Bewältigung
der gesellschaftlichen und politischen Herausforderung von Migration
und Integration benötigt eine offene und sachliche Diskussion sowie den
offenen Austausch über Möglichkeiten und Modelle, die Sache anzugehen.
Integration ist Ermächtigung
"okay.
zusammen leben" vertritt einen ermächtigenden Integrationsbegriff.
Daran orientieren sich auch seine Programme. Maßnahmen müssen auf das
Herstellen von Chancengleichheit (insbesondere für die 2. und 3.
Generation) und die Beseitigung von Hindernissen zielen, die
ZuwandererInnen eine selbsttätige Bewältigung des Alltags erschweren.
Diese Menschen fördern und von ihnen fordern ist das Motto, in das sich
ein solches Verständnis von Integrationsmaßnahmen übersetzen lässt. Das
erfordert gezielte Orientierungshilfen, dort wo sie gebraucht werden
(z. B. bei der Ankunft), behutsame Stützung der Menschen durch
interkulturelle Sensibilität und Kompetenz der Institutionen,
Aufmerksamkeit für die spezifischen Bedürfnisse von
Migrantenjugendlichen (die herkunftsspezifischen sozialen
Benachteiligungen – z. B. in der Bildung – frühzeitig entgegenzuwirken
vermag) sowie die Beseitigung von Diskriminierungen, die sich
armutsgefährdend für die betroffene Bevölkerungsgruppe auswirken.
Mit den ZuwandererInnen
Integrationsmaßnahmen
müssen vermehrt mit den Betroffenen entwickelt und umgesetzt werden.
Ihre Entwicklung benötigt den Erfahrungshintergrund dieser Menschen;
eine wirksame Umsetzung beruht auf deren aktiven Teilnahme. Das
erfordert Wissen um die Zuwanderergemeinschaften und ihre
Organisationen, laufenden Kontakt zu den ArtikulatorInnen der
Gemeinschaften und den Aufbau und die Pflege von Kommunikationskanälen.
Begegnung und Reflexion von Begegnungserfahrung
Begegnung
und Kontakt sind entscheidende Faktoren für die Einstellung zur
kulturellen und sozialen Integration von Zuwanderern auf Seiten der
aufnehmenden Bevölkerung. In diesem Sinne ist die Begegnungserfahrung
von Einheimischen und Zugewanderten entscheidend für die Schaffung
eines integrationsfreundlichen gesellschaftlichen und politischen
Klimas. Begegnung und Kontakt sind jedoch auch entscheidende Faktoren
für die Offenheit von ZuwandererInnen gegenüber der Gesellschaft, in
die sie einwandern, und deren Institutionen. Eine (auch öffentlich
wahrnehmbare) Reflexion und sachliche Beschäftigung mit dieser
Begegnungserfahrung schafft das entsprechende Bewusstsein für die
Bedeutung dieses Faktors für Integration.