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Die Veränderungen in der Konzeption der integrationspolitischen Rahmenbedingungen haben zu einer differenzierteren Betrachtung der Menschen geführt, die in den letzten Jahren bei uns eingewandert sind. Um die Bevölkerung mit migrantischem Hintergrund zahlenmäßig erfassen zu können, sind neben der Staatsbürgerschaft andere Indikatoren, wie etwa die Umgangssprache oder der Geburtsort aussagekräftig. Die Unterscheidung nach Staatsangehörigkeit ist zwar statistisch leicht zu erfassen, beschreibt aber nur eine oberflächliche Ebene des Phänomens. Wenn in Betracht gezogen wird, dass der Integrationsprozess in den Familien über mehrere Generationen abläuft, werden detaillierte Untersuchungen notwendig, um Aussagen über den Stand der Integration in einem Land tätigen zu können. Diese liegen derzeit nur in sehr begrenztem Maße vor, bzw. sind gerade im Gange. Der AusländerInnenanteil Vorarlbergs entspricht aufgrund der großen Zahl an Einbürgerungen in den letzten 10 Jahren nicht dem Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund lässt sich aufgrund der mangelhaften Datenlage nicht exakt bestimmen, liegt aber derzeit bei ungefähr 15 bis 20%, wenn man die Zuwanderungsgruppen nach Umgangssprache differenziert: ca. 25.000 Personen geben Türkisch als Umgangssprache an und ca. 18.000 Personen sprechen eine Sprache, die im ehemaligen Jugoslawien gesprochen wurde. Die steigende Bedeutung des Indikators Muttersprache lässt sich auch durch den steigenden Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache an den Vorarlberger Pflichtschulen nachvollziehen, der derzeit bei circa 22,6% liegt. (Anm. 1)
Um sich ein genaueres Abbild von der Vorarlberger Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu verschaffen, ist es sinvoll, sich auf die Ergebnisse der Volkszählungen zu beziehen. Laut der letzten Volkszählung vom 15. Mai 2001 waren 81,1% der Vorarlberger Bevölkerung österreichische StaatsbürgerInnen und in Österreich geboren. 5,6% waren zwar österreichische StaatsbürgerInnen aber im Ausland geboren, 3,5% waren in Österreich geboren aber ausländische StaatsbürgerInnen und 9,8% waren im Ausland geboren und ausländische StaatsbürgerInnen. Neben den insgesamt 13,3% AusländerInnen hat zumindest ein größerer Teil der Gruppe der österreichischen StaatsbürgerInnen, die im Ausland geboren wurden, einen Migrationshintergrund. Auch in der Gruppe der österreichischen StaatsbürgerInnen, die in Österreich geboren wurden, befindet sich ein kleiner Anteil von Personen der 2. Generation mit Migrationshintergrund innerhalb der Familie. Der genaue Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund lässt sich somit nicht bestimmen, er liegt aber mit großer Wahrscheinlichkeit bei ungefähr 15 bis 20%. Auf Basis einer aktuellen Hochrechnung der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung für das Quartal 2009 kann davon ausgegangen werden, dass ungefähr 21 % der Vorarlberger Bevölkerung über einen Migrationshintergrund verfügen. Von den 364.600 in Vorarlberg wohnhaften Personen sind das 76.600 Personen, wovon 52.500 der ersten und 24.100 der zweiten Generation zuzurechnen sind. (Anm. 2)
Eine Möglichkeit, die Zahl der Personen nach Herkunftsgruppen genauer zu erfassen, ergibt sich durch die Angabe der Umgangssprache (Anm. 3) bei der Volkszählung. Hier gilt es allerdings zu bedenken, dass die Frage nach der Umgangssprache von den Befragten unterschiedlich interpretiert werden kann, sodass auch mit diesem Merkmal nicht alle MigrantInnen einer bestimmten Herkunft erfasst werden. So gaben bei der Volkszählung 2001 85,6% der Vorarlberger Bevölkerung Deutsch als ihre einzige Umgangssprache, 11,0% Deutsch und eine andere Sprache und 3,4% ausschließlich eine andere Sprache als Deutsch als ihre Umgangssprache an.
Laut den Ergebnissen der Volkszählung aus dem Jahr 2001 lebten 24.256 Personen (7% der Gesamtbevölkerung) mit Umgangssprache Türkisch in Vorarlberg. Von diesen waren 5.996 österreichische und 18.260 nicht-österreichische Staatsbürger. Zumindest 24,7% der türkischstämmigen Bevölkerung Vorarlbergs verfügen somit über die österreichische Staatsbürgerschaft. Im Vergleich zu den 13.897 türkischen Staatsbürgern, die mit 31.12.2009 ihren Hauptwohnsitz in Vorarlberg meldeten, macht das Kriterium der Umgangssprache die große Zahl an Einbürgerungen deutlich. Durch die große Zahl an Einbürgerungen in den letzten zwei Jahrzehnten ist eine große Kluft zwischen den Kriterien „Staatsangehörigkeit“ und „Herkunft“ entstanden (vgl. Artikel "Einbürgerungen").
Auch die aus dem ehemaligen Jugoslawien zugewanderte Bevölkerungsgruppe kann anhand der Verteilung nach Umgangssprache exakter erfasst werden. Laut den Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2001 lebten 1.636 Personen mit Umgangssprache Bosnisch (0,5% der Gesamtbevölkerung) in Vorarlberg. 201 Personen bosnischer Herkunft oder 12,3% besaßen die österreichische Staatsbürgerschaft. 5.752 Personen nannten Kroatisch als Umgangssprache (1,6% der Gesamtbevölkerung). Davon hatten 1.196 oder 20,8% die österreichische Staatsbürgerschaft. Serbisch gaben 9.156 Personen als Umgangssprache an (2,6% der Gesamtbevölkerung). 1.484 oder 16,2% der serbisch sprechenden Bevölkerung Vorarlbergs besaßen die österreichische Staatsbürgerschaft. 1.282 Personen nannten Slowenisch als Umgangssprache (0,4% der Gesamtbevölkerung), davon waren 646 oder 50,4% österreichische StaatsbürgerInnen.
Im direkten Vergleich der verschiedenen Zuwanderungsgruppen weisen die slowenischsprachigen MigrantInnen damit die mit Abstand höchste Einbürgerungsquote auf. Eine detailliertere Aufschlüsselung der Vorarlberger Bevölkerung nach Umgangssprache vermittelt die untenstehende Tabelle.
Ein weiterer wichtiger Indikator für die Größe und Bedeutung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund stellt die Zahl Kinder nichtdeutscher Umgangssprache in den Vorarlberger Pflichtschulen dar. Ihr Anteil ist in den letzten Jahren konstant leicht gestiegen und erreichte im Schuljahr 2008/09 mit 22,6% einen neuen Höchststand. Somit verfügt zumindest jede/r fünfte VolksschülerIn in Vorarlberg über einen Migrationshintergrund. Aufgrund der derzeit noch etwas höheren Geburtenraten der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist davon auszugehen, dass ihr Anteil zumindest in den nächsten Jahren weiterhin leicht steigen wird. Langfristig betrachtet nähert sich aber ihre Geburtenrate an die der Mehrheitsbevölkerung an (vgl. "Demographische Entwicklung Vorarlbergs").
Im Rahmen des Forschungsprojektes "Die Integration der zweiten Generation in Europa" (TIES) wurde erstmalig mittels eines Onomastischen-Verfahrens (Anm. 4), bei dem Personen aufgrund ihres Vor- und Nachnamens bestimmten Herkunftsländern zugeordnet werden, eine genaue Bestimmung der aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei stammenden zweiten Generation vorgenommen. Laut dieser Untersuchung stellt die Personengruppe, die aus türkischen bzw. ex-jugoslawischen Familien stammt und bereits in Österreich geboren wurden, bei den 18 bis 35 Jährigen derzeit 13% der Vorarlberger Gesamtbevölkerung. Die türkischstämmige 2. Generation stellt 8,3%, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende 2. Generation 4,7% der Bevölkerung Vorarlbergs im Alter zwischen 18 und 35 Jahren.

Anmerkungen:
1 Statistik Austria 01.12.2009
2 Statistik Austria 05.03.2010
3 Als Umgangssprache wurde bei der Volkszählung die Sprache (auch mehrere Sprachen), die gewöhnlich im privaten Bereich (Familie, verwandte, Freunde usw.) gesprochen wird, erfasst. 4 Die Untersuchung wurde im Auftrag von okay. zusammen leben vom Sozial- und Umfrageforschungsinstitut Humpert&Schneiderheinze im März 2007 durchgeführt