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Vorarlberg
verfügt als Einwanderungsland über eine lange Tradition. Für die sich
entwickelnde Industrie und den Eisenbahnbau über den Arlberg wanderten
in den 1870er Jahren viele ItalienerInnen aus dem Trentino nach
Vorarlberg. Die neuere Zuwanderungsgeschichte ist vor allem durch die
Gastarbeiterzuwanderung im Zuge des industriellen Aufschwungs nach dem
Zweiten Weltkrieg geprägt worden. Im Rheintal und in den Seitentälern
gab es schon Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nur mehr
geringe Arbeitskräftereserven. In der Folge wurden bereits ab 1955
Steirer und Kärntner, aus vorwiegend ländlichen Gebieten, in denen
genügend Arbeitskräfte vorhanden waren, angeworben. Die
"Gastarbeiterzuwanderung" aus dem Ausland erfolgte dann ab den 60er
Jahren. Die Ausländerzahl stieg von 7.702 im Jahr 1961 auf 46.700 im
Jahr 2001.
Starker Anstieg zwischen 1961 une 1971
Wie
die Volkszählungsdaten zeigen, ist die Anzahl der AusländerInnen in
Vorarlberg im Zeitraum von 1951 bis 2001 insgesamt stark gestiegen. Die
graphische Darstellung (siehe Graphik 1) vergegenwärtigt, dass der
Zuwachs jedoch nicht konstant gleich groß war. Von 1951 bis 1961 sank
die Ausländerzahl zunächst von 9.641 auf 7.702, stieg aber in der Folge
bis 2001 auf 46.700 an. Den stärksten Zuwachs gab es von 1961 bis 1971.
In diesem Zeitraum verdreifachte sich die Anzahl der AusländerInnen von
7.702 auf 25.534 Personen, was auf den industriellen Aufschwung und die
damit verbundene Gastarbeiterzuwanderung zurückzuführen ist.

Von
1971 bis 1991 wuchs die ausländische Bevölkerung in Folge der insgesamt
günstigen wirtschaftlichen Entwicklung relativ kontinuierlich weiter.
In den letzten 15 Jahren hat, wie die Kurve zeigt, der Zuwachs an
AusländerInnen jedoch abgenommen und ist dementsprechend im Zeitraum
von 1991 bis 2001 nur geringfügig von 44.082 auf 46.700 Personen
gestiegen. Dieser Rückgang des Zuwachses an AusländerInnen ist aber
nicht nur durch die schwächere Zuwanderung, sondern vor allem auf die
verstärkte Einbürgerung ab den 90er Jahren zurückzuführen (vgl.
Einbürgerungen und Wanderungen), wodurch ein großer Teil der ehemaligen
AusländerInnen zu InländerInnen wurden. Der Ausländeranteil ist somit
ab den 1990er Jahren nicht mehr repräsentativ für den
Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund, der deutlich über dem
Ausländeranteil liegt.
Vergleich mit anderen Bundesländern
Um
das Ausmaß der Zuwanderung Vorarlbergs in einen größeren Zusammenhang
zu stellen, ist es sinnvoll die Zahlen mit der Entwicklung in den
anderen Bundesländern zu vergleichen. Anhand der Darstellung (Graphik
2) wird deutlich, dass der Ausländeranteil Vorarlbergs von 1971 bis
1991 im österreichischen Vergleich am höchsten war. Lediglich Wien wies
bereits 1991 einen ähnlich hohen Anteil an Ausländern auf. Von 1991 bis
2001 stagnierte der Ausländeranteil in Vorarlberg aufgrund der großen
Zahl an Einbürgerungen jedoch bei 13,3%, während er in Wien weiter
stieg. Wien hatte somit im direkten Vergleich aller Bundesländer bei
der Volkszählung 2001 mit 16% erstmals den höchsten Ausländeranteil.
Mit der Ausnahme von Salzburg (11,7%) wiesen alle anderen Bundesländer,
auch 2001 noch einen Ausländeranteil deutlich unter 10% der
Gesamtbevölkerung auf, was sich im österreichischen Durchschnittswert
von 8,7% widerspiegelt.
Der gesamtösterreichische Vergleich
verdeutlicht auch die unterschiedlichen Zeitpunkte der Zuwanderung der
ausländischen Bevölkerung in den verschiedenen Bundesländern. Während
in Vorarlberg, im Zuge der starken Zuwanderung von 1961 bis 1971 der
Ausländeranteil bereits 1971 bei 9,2% lag, um dann bis 1991 etwas
schwächer auf 13,3% anzusteigen, erfolgte der Großteil der Zuwanderung
in den anderen Bundesländern später. Wie die Kurve für Gesamtösterreich
stellvertretend für die anderen Bundesländer zeigt, steigt der
Ausländeranteil erst von 1981-2001 verstärkt von 4,1 auf 8,7% an. Diese
zeitliche Verzögerung ist vor allem durch die frühere und stärkere
Industrialisierung Vorarlbergs im Vergleich zu den anderen
Bundesländern zu erklären. Eine Ausnahme bildet Wien, das bereits ab
1971, aufgrund seiner Funktion als großstädtischer Ballungsraum, einen
beinahe kontinuierlich gleich starken Zuwachs an Ausländern aufweist.
Vergleich der Zuwanderergruppen nach Herkunftsländern:
Die
Auflistung der Gesamtbevölkerung Vorarlbergs nach Staatsangehörigkeit
(Graphik 3) vergegenwärtigt die Entwicklung des Anteils der drei
größten Zuwanderungsgruppen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien,
der Türkei und Deutschland an der Gesamtbevölkerung im Zeitraum von
1971 bis 2001. Der Anteil der Bevölkerung aus dem ehemaligen
Jugoslawien betrug 1971, wie auch 2001 4,5% und schwankte dazwischen
nur geringfügig. Zunächst kam es auf Grund der schlechteren
wirtschaftlichen Entwicklung zu einem leichten Rückgang von 1971 bis
1981. Im Zuge des Aufschwungs Ende der 80er Jahre und dem Balkankrieg
stieg der Anteil aber bis 2001 wieder leicht an. Der Anteil der
türkischen Staatsbürger stieg von 1,8% im Jahr 1971 auf 6,1% im Jahr
1991, um dann bis 2001 wieder auf 5,4% zu sinken. Diese etwas
abweichende Entwicklung ist auf den im Vergleich mit den Zuwanderern
aus dem ehemaligen Jugoslawien zeitlich etwas verzögerten Zuzug der
türkischen Staatsbürger zurückzuführen. Seit 1981 stellen die
türkischen Zuwanderer in Vorarlberg die größte Gruppe an Ausländern,
während im gesamtösterreichischen Vergleich die Zuwanderer aus dem
ehemaligen Jugoslawien nach wie vor die größte Gruppe sind. Der Anteil
der deutschen Staatsbürger steigt von 1971 bis 2001 von 1,5 auf 1,7%
an, bleibt also relativ konstant.
Geringere Zuwanderung ab den 90er Jahren auf Grund von Einbürgerungen
Der
Ausländeranteil lag von 1991 bis 2001 konstant bei 13,3%. Dies ist aber
nicht nur auf die geringere Zuwanderung zurückzuführen, sondern
vielmehr auf die starke Zunahme an Einbürgerungen ab Mitte der 90er
Jahre. Am deutlichsten erkennbar ist dies bei der Gruppe der türkischen
Staatsbürger, deren Bevölkerungsanteil in diesem Zeitraum vor allem
aufgrund von Einbürgerungen von 6,1 auf 5,4% sinkt. In den letzten 5
Jahren ist der Ausländeranteil in Vorarlberg leicht rückläufig. Am
31.12.2005 waren von den 363.237 Einwohnern mit Hauptwohnsitz in
Vorarlberg, 45.662 oder 12,7% ausländische Staatsbürger. Dieser
Rückgang im Vergleich zum Jahr 2001 ist aber nicht auf das negative
Wanderungssaldo der ausländischen Bevölkerung, sondern vielmehr auf die
hohen Einbürgerungszahlen in den Jahren 2002 bis 2005 zurückzuführen
(vgl. Einbürgerungen). Der Ausländeranteil ist somit ab den 1990er
Jahren nicht mehr repräsentativ für den Bevölkerungsanteil mit
Migrationshintergrund, der deutlich über dem Ausländeranteil liegt.
Quellen: Statistik Austria, Volkszählungen 1951-2001; eigene Berechnungen