Deutschland: Expertise zu Integration und beruflicher Ausbildung am deutschen Arbeitsmarkt
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Deutschland hat eine
Expertise zum Thema "Integration und berufliche Ausbildung"
herausgegeben, in der die Ergebnisse verschiedener Studien in Bezug auf
den Arbeitsmarktzugang von Jugendlichen mit und ohne
Migrationshintergrund verglichen werden. Verschiedene Studien belegen,
dass Jugendliche mit Migrationshintergrund deutlich seltener in eine
(duale) berufliche Ausbildung einmünden. Auch bei gleichen
Schulabschlüssen und vergleichbaren Noten gelangen Jugendliche ohne
Migrationshintergrund deutlich häufiger in eine Berufsausbildung.
Höhere Schulabschlüsse wirken sich lediglich für Jugendliche ohne
Migrationshintergrund positiv auf die Einmündungsquote aus. Die Studien
zeigen insgesamt, dass die Chancenungleichheit also selbst dann
bestehen bleibt, wenn sich Jugendliche mit und ohne
Migrationshintergrund bezüglich ihrer Schulabschlüsse und Schulnoten
nicht unterscheiden und erteilen damit der Argumentation, dass
lediglich die schlechtere Qualifizierung bzw. Eignung für den
schlechten Zugang zum Arbeitsmarkt verantwortlich sei, eine Absage.
Vielmehr finden sich Hinweise auf Verdrängungsprozesse von Jugendlichen
mit Migrationshintergrund aus der dualen Ausbildung unter der Bedingung
von Lehrstellenknappheit.
Die Auswertung der verschiedenen Studien verweist somit einerseits indirekt auf die Bedeutung
von Netzwerkressourcen, sprich sozialen Beziehungen, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
sowie
die Personalverantwortlichen und deren Auswahl von Auszubildenden.
Wenngleich für Österreich noch keine vergleichbaren Studien vorliegen,
ist zu vermuten, dass die Faktoren soziales Kapital und die
Auswahlfaktoren von Personalverantwortlichen, neben der Qualifizierung,
auch am österreichischen Arbeitsmarkt einen entscheidenden Einfluss für
den Zugang zu Ausbildungsplätzen haben. Im zweiten Teil geht die
Expertise auf konkrete Handlungsempfehlungen ein. Diese umfassen unter
anderem
- die Verbesserung der Chancen beim Übergang Schule – Ausbildung,
- die Sicherung des Ausbildungserfolgs im Verlauf der Berufsausbildung,
- die Förderung der beruflichen Nachqualifizierung,
- die Anerkennung von Schul- und Berufsbildungsabschlüssen
aus dem Herkunftsland,
- die Nutzung interkultureller Potentiale,
- die Sicherung der beruflichen Eingliederung und Weiterbildung von Fachkräften mit Migrationshintergrund
sowie
- die Förderung beruflicher Qualifizierungsnetzwerke.
Die Expertise finden Sie als Download auf:
www.bibb.de/dokumente/pdf/a24_integration-und-berufliche-ausbildung.pdf
Vergleichbare
Ergebnisse für Österreich existieren aufgrund der nichtvorhandenen
Differenzierung nach Migrationshintergrund in den meisten
österreichischen Statistiken bisher nicht. Für einen Überblick über die
Situation von ausländischen Jugendlichen im österreichischen
Ausbildungssystem empfiehlt sich der Artikel "Chancen von Jugendlichen
Gastarbeiterkindern in Österreich" von Gudrun Biffl, zu finden als
Download auf www.image.co.at/themen/dbdocs/LF_biffl_2_04.pdf
"Jugendliche MigrantInnen am Arbeitsmarkt" in Tirol
Die
Studie, die im Rahmen des Equal Projektes Join-in vom Institut FBI
erstellt wurde, zielt darauf ab, einen Überblick über die Berufs-,
Arbeitsmarkt- und Ausbildungssituation der jugendlichen MigrantInnen in
Tirol zu erstellen. Da die für den Arbeitsmarkt wesentlichen
österreichischen Statistiken nur zwischen Inländern und Ausländern
unterscheiden, beziehen sich auch die Ergebnisse dieser Studie
ausschließlich auf den Vergleich dieser beiden Gruppen. Jugendliche mit
Migrationshintergrund, die über eine österreichische Staatsbürgerschaft
verfügen, können folglich nicht separat ausgewiesen werden. Die Studie
liefert somit eine Ist-Stand-Erhebung auf Basis der vorhandenen
quantitativen Daten für das Bundesland Tirol und im Vergleich zum
Artikel von Biffl keine wesentlichen neuen Erkenntnisse.
Die Studie ist unter www.join-in.at im Bereich Downloads zugänglich.