Deutschland: Migrationshintergrund, Minderheitenzugehörigkeit und Bildungserfolg
Forschungsergebnisse der pädagogischen Entwicklungs- und Sozialpsychologie.
Janet Ward Schofield, AKI-Forschungsbilanz 5, Wissenschaftszentrum Berlin, 2006: www.aki.wz-berlin.de
Dass
Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien schlechtere
Bildungschancen haben, ist mittlerweile allgemein bekannt. Ebenso breit
anerkannt ist die zentrale Bedeutung deutscher Sprachkompetenzen für
Bildungs- und Arbeitsmarktchancen. Alleine auf den Spracherwerb aber
sollten sich weder Ursachenanalyse noch Interventionsprogramme
verlassen. Die 5. AKI-Forschungsbilanz fasst relevante Studien zu
weiteren Faktoren, die Bildungschancen beeinflussen, zusammen. Sie
konzentriert sich dabei auf 3 wichtige Faktoren, denen Einfluss auf das
Bildungsverhalten von Kindern mit Migrationshintergrund nachgewiesen
werden konnte:
1) "Negative Stereotypen" (stereotype threat),
welche die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe mit geringen
intellektuellen Fähigkeiten in Verbindung bringen, können die
schulischen Leistungen und die Schulkarrieren von SchülerInnen, die
einen Migrationshintergrund haben, sowohl kurz- als auch langfristig
erheblich beeinträchtigen.
2) "Erwartungseffekte"
(Lehrererwartungen) können schulische Leistungen markant beeinflussen.
Kinder aus unteren sozialen Schichten und aus eingewanderten Familien
oder ethnischen Minderheiten wie auch jüngere SchülerInnen scheinen
besonders sensibel für Lehrererwartungen zu sein.
3)
"Leistungsdifferenzierung mit unterschiedlichen Lehrplänen"
beeinträchtigt die Entwicklung leistungsschwächerer SchülerInnen.