Islamfeindlichkeit nach dem 11. September 2001
Eva Grabherr, 2003
Der Terroranschlag auf das Wold Trade
Center in New York vom 11. September 2001 hat auch in den europäischen
Staaten zu anti-islamischen Reaktionen und Aktionen geführt. Zugleich
wuchs die Sensibilität für die Gefahr solcher Stimmungen für
Gesellschaften mit einem nicht unbeträchtlichen Anteil muslimischer
Bevölkerungsgruppen, wie sie in den letzten Jahrzehnten durch
Einwanderung in die europäischen Staaten entstanden sind. Eine Folge
dieser erhöhten Sensibilät ist auch ein wachsendes
Informationsbedürfnis bezüglich Islam und Muslime in Europa und ein
wachsendes Bedürfnis nach Dialog. Die Tage der offenen Tür, die
religiöse islamische Gemeinschaften in Vorarlberg nach dem 11.
September durchgeführt haben, sowie die zahlreichen interreligiösen
Veranstaltungen von Pfarren und Angehörigen des Islam nach diesem
Ereignis spiegeln eine generelle europäische Entwicklung.
Die
Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit (= EUMC, mit Sitz in Wien) initiierte rasch nach
dem 11. September ein EU-weites Beboachtungsprojekt für anti-islamische
Reaktionen in den Monaten nach dem Anschlag. Der Länderreport für
Österreich verzeichnet ein Ansteigen verbaler Attacken. Physische
Attacken meldet der Bericht gegen Sikhs in Wien, die aufgrund ihrer
Kopfbedeckung (Turban) irrtümlich für Angehörige des islamischen
Glaubens gehalten wurden. Am 6. Oktober wurden in Linz 28 Gräber des
islamischen Teils des städtischen Friedhofs geschändet. Muslime, vor
allem Frauen mit Kopftuch, meldeten als belastend zurück, dass sie im
öffentlichen Raum stärker unter Beobachtung stehen als vor dem Ereignis
vom 11. September. Das Monitoring erfasste weiters den Bereich Politik,
Medien und durchgeführte Informations- und Dialogveranstaltungen.
ZARA-Beratungsstelle
für Zeugen und Opfer von Rassismus erstellt jährlich einen Bericht über
rassistische Übergriffe und Strukturen in Österreich. Die Initiative
muslimischer ÖsterreicherInnen berichtet darin über die Situation der
Muslime.
EUMC/Länderbericht Anti-Islamische Reaktionen Österreich:
eumc.eu.int/eumc/material/pub/anti-islam/collection/Austria.pdf
ZARA/jährlicher Rassismus-Report Österreich:
www.zara.or.at