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Projektstelle für Zuwanderung und Integration
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Avusturya Türk Islam Birligi (= ATIB)

Elisabeth Dörler, 2003.

Diese Organisation, allgemein bekannt unter ihrem Akronym ATIB, untersteht dem türkischen Staat. Die Hodschas (Vorbeter und religiöse Lehrer) werden vom Präsidium für religiöse Angelegenheiten (kurz Diyanet genannt) entsandt. (In Deutschland steht die Abkürzung ATIB für Avrupa Türk-Islam Birligi. Diese Gemeinschaft wird dem islamischen Fundamentalismus nahe stehend eingestuft. Die österreichischen ATIB-Vereine haben nichts damit zu tun. Die der österreichischen ATIB entsprechende Organisation in Deutschland ist die DITIB.)

Die ATIB-Gemeinschaften vertreten den sunnitischen Islam der hanafitischen Rechtsschule der Türkei. Inhaltlich werden sie durch den Sozialattache der türkischen Botschaft in Wien kontrolliert. Für organisatorische Fragen der Vorarlberger Gemeinschaften ist das türkische Generalkonsulat in Bregenz zuständig. Um die Werte des laizistischen Staates, den die Türkei vertritt, aufrecht zu erhalten, ist diesen Gemeinschaften jegliche politische Betätigung untersagt.

Der jeweilige din görevlisi (= Religionsbediensteter, entspricht im Normalfall einem Hodscha bzw. Imam) wird von der Türkei entsandt und bezahlt. Er ist Inhaber eines türkischen Dienstpasses. Seine theologische Ausbildung hat er meistens an einer türkischen Universität erhalten. Die theologische Ausrichtung der entsandten din görevlileri entspricht in etwa der theologischen Ausrichtung des Präsidiums für religiöse Angelegenheiten. In Vorarlberg bestehen 13 ATIB-Gemeinden. Die ersten wurden um 1978 gegründet. Jede Gemeinde ist in sich als Verein organisiert. Ihre Zentren/Gebetsräume werden vor allem durch Imbissstände, kleine Geschäfte oder ähnliches finanziert. Dies entspricht auch dem türkischen System der Finanzierung der Moscheen.

Standorte von ATIB-Vereinen und -Gebetsstätten in Vorarlberg:

  • Dornbirn, Quellengasse 4
  • Lustenau, Tavernhofstraße 17a
  • Hohenems, Robert Koch-Straße 18a
  • Bregenz, Vorklostergasse 58
  • Hard, Lochbachstraße 8
  • Frastanz, Augasse 4
  • Bludenz, Austraße 2
  • Nenzing, Getznerstraße 6
  • Hörbranz, Lochauerstraße 52
  • Bezau, Reuthe 60a
  • Höchst, Landstraße 64
  • Rankweil, Schweizerstraße 111
  • Mäder, Alte Schulstraße 12


ATIB in Vorarlberg nennt im Jahr 2002 2.000 Mitglieder. Da meist das Familienoberhaupt stellvertretend für die ganze Familie Mitglied wird, kann man davon ausgehen, dass die Gemeinschaft ca. 10.000 Personen erreicht. Rund die Hälfte der 2.000 Mitglieder sind österreichische Staatsbürger.

Die Gebetsräume (mescid) sind meistens nicht sehr groß. Für die Feiertagsgebete/Bayram Namazi (wie am Ramazan Bayrami/dem Dankfest am Ende der Fastenzeit Ramazan und Kurban Bayrami/dem Opferfest) werden daher auch die Messehalle in Dornbirn und/oder das Festspielhaus in Bregenz angemietet. Zu diesen Gebeten kommen - wie zur katholischen Weihnachtsmette oder zur Osternachtsfeier - auch viele Muslime, die nur zu diesen beiden Anlässen zum gemeinsamen Gebet kommen und ansonsten keiner Gemeinschaft angehören. Im Festspielhaus Bregenz nehmen an einem Bayram Namazi ca. 2.000 Personen teil.

Der Auslandsdienst ist der Diyanet, dem türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten, und damit dem türkischen Staat ein wichtiges Anliegen. Laut Eigendarstellung will Diyanet auf diese Weise der Ausbreitung eines extremistischen Islam in Mitteleuropa entgegen wirken. Der türkische Staat und seine Auslandsvertreter stehen daher den neben den ATIB-Gemeinden im Ausland existierenden religiösen Gemeinschaften und Vereinen mit türkischem Hintergrund kritisch bis ablehnend gegenüber.

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Sas, 02.03.2010