Die Aleviten
Elisabeth Dörler, 2003/ergänzt 2005.
Laut eigenen Angaben
lebten im Jahr 1998 rund 6.300 Aleviten in Vorarlberg. Das entspricht
etwa einem Viertel der türkisch-stämmigen Bewohner des Landes. Das
Zahlenverhältnis entspricht den Relationen in der Türkei.
Der
Alevitische Kulturverein Bodensee (Lauterach, Bundesstraße 23) wurde
1991 gegründet. Er zählt über 300 Mitglieder; inklusive der
entsprechenden Familien erreicht er also rund 1.600 Personen. In der
Türkischen Plattform Vorarlbergs finden sich 2005 neben dem
Alevitischen Kulturverein Bodensee noch zwei weitere alevitische
Vereine.
Einmal im Monat organisiert der Verein einen cem,
die alevitische religiöse Gemeinschaftsfeier, mit anschließender
Möglichkeit für Interessierte, sich mit dem dede, der religiösen
Autorität, auszutauschen. Ebenfalls monatlich wird ein Seminar zu
religiösen Fragen organisiert.
Alevitische Eltern melden ihre
Kinder in der Regel vom islamischen sunnitischen Religionsunterricht
ab. Gewünscht wäre von Seiten der Aleviten ein eigener alevitischer
Religionsunterricht. Allerdings wäre dafür eine Differenzierung der
verschiedenen islamischen Gruppen, analog der christlichen
Konfessionen, die auch jeweils eigenständige Körperschaften dem Staat
gegenüber sind, notwendig. Den Aleviten steht in Österreich die volle
Religionsfreiheit zu, da sie aber keine staatlich anerkannte
Religionsgemeinschaft sind, haben sie nicht das Recht auf einen von der
öffentlichen Hand bezahlten Religionsunterricht.
Die Aleviten empfinden sich selbst der mitteleuropäischen Kultur gegenüber als liberaler und anpassungsfähiger als die Sunniten.
Durch ihre Geschichte als religiöse Minderheit hätten sie gelernt, ihre
Werte auch zurückgezogen zu leben. Für Aleviten ist die Trennung von
Staat und Religion grundsätzlich positiv besetzt, da sie damit
Religionsfreiheit verbinden. Bildung hat in dieser Gemeinschaft einen
hohen Stellenwert.
Der Text von Kurt Greussing (siehe Download)
beschreibt die Ursprünge der alevitischen Religion sowie deren
Grundsätze und Institutionen und geht auch auf die Muster der im
sunnitischen Islam weit verbreiteten anti-alevitischen Vorurteile ein.
Den Abschluss bilden neueste Entwicklungen des Alevitismus hin zu einer
Intellektuellen-Religion, sowie eine kommentierte Literaturliste zum
vertiefenden Nachlesen.
Im Downloadbereich steht auch folgender Artikel von Peter J. Bumke
zur Verfügung: Kızılbaş-Kurden in Dersim (Tunceli, Türkei).
Marginalität und Häresie, in: Anthropos. Internationale Zeitschrift für
Völker- und Sprachenkunde (Fribourg/Schweiz), Vol. 74 (1979), S.
530-548. (mit freundlicher Genehmigung des Anthropos-Instituts)