Elmar Hasovic, 2010
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Die Muslime Bosnien und Herzegowinas bilden mit den Muslimen aus Albanien (Mehrheit der albanischen Bevölkerung) die einzigen europäischen Völker, welche der islamischen Religion zugeordnet werden. „Bosniaken“ („Bošnjaci“)
[1] bezeichnet heute im nationalen Sinne die Muslime des ehemaligen Jugoslawiens (ca. 3 Millionen Menschen). Deren überwiegende Mehrheit lebt in Bosnien und Herzegowina. (Dort bilden sie das zahlenmäßig größte Volk, etwa 50% der dortigen Bevölkerung.)
Diese Muslime übernahmen den Islam der hanafitischen
[2] Rechtsschule im ausgehenden 15. und 16. Jahrhundert vom Osmanischen Reich, das sich mehrere Jahrhunderte lang über den Balkan erstreckte. Daher sind die theologischen Hintergründe der Muslime aus dem ehemaligen Jugoslawien denen der türkischen Muslime relativ ähnlich.
Das 19. Jahrhundert brachte Entwicklungen hin zur Trennung von Religion und Staat. Diese Prozesse setzten bereits im Osmanischen Reich in den letzten zwei Jahrzehnten seiner Herrschaft in Bosnien und Herzegowina ein.
[3] Allerdings stießen diese Reformen dort auf die Gegenwehr der muslimischen Eliten. Die Trennung von Religion und Staat wurde zur Gänze also erst im „Zweiten Jugoslawien“ (ab 1945) vollzogen.
Die meisten bosnischen Muslime leben ihre religiöse islamische Identität vor dem Hintergrund eines säkularen Verständnisses von Religion. Religion gilt als ein Ausdruck von Kultur. Während des Krieges in Bosnien wurde an den bosnischen Muslimen jedoch ein Genozid
[4] verübt. Dies und andere Begleiterscheinungen des Krieges bewirkten generell ein Aufleben der muslimischen Religion und bei sehr geringen Teilen der Bevölkerung auch eine religiöse Radikalisierung.
Derzeit gibt es 3 religiöse Einrichtungen der Bosniaken in Vorarlberg. Es handelt sich hierbei um die „Bosnisch-muslimische Gemeinschaft Vorarlberg“ mit Gebetsraum in Feldkirch (Hämmerlesiedlung 8a), um das „Kultursportzentrum Izet Nanić“ mit Gebetsraum in Dornbirn (Bremenmahd 4) und eine neue Gruppe bosnischer Muslime, die derzeit einen Gebetsraum in Bludenz etabliert.
[1]Heute werden mit dem Begriff „Bosnier“ („Bosanac“) im Allgemeinen die Bewohner des Staates Bosnien und Herzegowina unabhängig von der Volksgruppe (Bosniaken, Serben, Kroaten) und der Religionszugehörigkeit (Islam, serbische Orthodoxie, Katholizismus) bezeichnet. Im mittelalterlichen Bosnien nannte man die Bewohner Bosniens „Bošnjani “ (Sg. „Bošnjanin“). Der Begriff „Bosniake“
(„Bošnjak“
) taucht nach der Eroberung seitens des Osmanischen Reichs im 15. Jh. auf und entstammt der türkisierten Form „
Boşnak“ (türk. Pl. Boşnaklar). Bosnische Franziskaner verwendeten beide Begriffe um alle Bewohner Bosniens zu bezeichnen, und zwar ohne Unterschied auf die religiöse Zugehörigkeit. Für osmanische Autoren waren jedoch nur die muslimischen Bosnier als „Bosniaken“ zu bezeichnen, während die Nichtmuslime „Reaya“ (die Herde) oder „Walachen“ genannt wurden. Die K.u.K. Verwaltung (Bosnien war zwischen 1878 und 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie) unter dem gemeinsamen Finanzminister Benjamin Kallay (1839-1903) versuchte die Bezeichnung „Bosniaken“ für die gesamte Bevölkerung einzuführen. Dies scheiterte am Widerstand der Mehrheit der christlich Orthodoxen und der Katholiken, deren Nationswerdung als Serben und Kroaten bereits begonnen hatte. Heute wird die Bezeichnung „Bosniaken“ für die bosnischen Muslime und die Bezeichnung „Bosnier“ für alle Einwohner Bosnien-Herzegowinas verwendet.
[2] Es gibt vier Rechtsschulen (Maddhabs) des Islam. Das Wort „Maddhab“ entstammt dem Arabischen und bedeutet ungefähr „gehen“ oder „sich etwas als Weg erwählen“ bzw. „etwas befolgen“. In der Regel wird damit das Befolgen einer der vier Rechtsschulen des Islam bezeichnet. Eine Rechtsschule umfasst wiederum die Gesamtheit der Urteile und Meinungen großer Gelehrter des Islam. Es gibt: die Rechtsschule des Imam Abu Hanifas, des Imam Maliks, des Imam Shaifis und des Imam Ahmad ibn Hanbalis.
[3]Es handelt sich hierbei um die so genannten „Tanzimat“-Reformen. „Tanzimat“ (Neuodnung) war eine Periode tiefgreifender Reformen im Osmanischen Reich. Diese begann 1839 und endete mit der Annahme der Osmanischen Verfassung im Jahre 1876.
[4]Das „Massaker von Srebrenica“, bei dem serbische Truppen im Juli 1995 ca. 8000 bosniakische Männer und Knaben töteten und Frauen und Kinder vertrieben, wurde durch UN-Gerichte als Genozid klassifiziert.