IGMG / Islamische Gemeinschaft "Milli Görüs"
Elisabeth Dörler, 2003.
Diese Gruppe, kurz "milli görüsch"
(Nationale Sicht) genannt, hat in Vorarlberg in vier Orten
Niederlassungen: in Dornbirn (Sägerstraße 1 und 2), in Bregenz (Neu
Amerika 4), in Lustenau (Kneippstraße 6 und Reichshofstraße 7) und in
Feldkirch (Liechtensteinerstraße 50). Die Mitglieder sind mit ihren
Angaben sehr vorsichtig und verweisen auf die Zentrale in Kerpen bei
Köln.
Milli Görüs ist die Nachfolgeorganisation der am 22.
Oktober 1976 in Köln gegründeten "Türkischen Union Europa e.V.", die
1978 (nach einer anderen Darstellung 1983) in "Islamische Union Europa
e.V." umbenannt wurde. In dieser Zeit spaltete sich eine radikale
Gruppe um Cemalettin Kaplan (seit 2001 in Deutschland verboten) von
Milli Görüs ab. Seit 1995 trägt die Vereinigung den Namen "Islamische
Gemeinschaft Milli Görüs" (kurz IGMG). Gleichzeitig schuf sie die EMUG
("Europäische Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft") für die
Verwaltung ihrer Liegenschaften. Weitere Holdings vertreten die
Wirtschaftsinteressen der Gemeinschaft.
Milli Görüs folgt der
sunnitisch-hanafitischen Rechtsschule, ist allerdings auch für andere
Rechtsschulen offen. In Deutschland ist die IGMG die wichtigste
Gemeinschaft des (neben der türkei-staatlichen DITIB) zweitgrößten
Dachverbandes "Islamrat der Muslime in Deutschland". Die IGMG gilt als
der größte türkisch-islamische Verband Europas. Auffällig ist die
Beziehung der IGMG zur früheren türkischen Fazilet-Partei, die unter
dem Vorwurf des Fundamentalismus in der Türkei verboten wurde, bzw. zur
heutigen als Nachfolge-Organisation der "Fazilet-Partei" geltenden
Saadet-Partei.
Nach Selbstdarstellung der IGMG ist dieser der
interkulturelle und interreligiöse Dialog wichtig. Sie betonen, dass
unter Integration jedoch nicht Assimilation verstanden werden kann.
Milli
Görüs wird in Deutschland von Verfassungsschutzdiensten einiger
Bundesländer aufmerksam beobachtet. Der Verband wird als nicht
dialog-freundlich eingestuft, da er – trotz neuerer theologischer
Entwicklungen im Islam – das Ziel noch nicht aufgegeben habe, das
Scheriat-Recht auch im Westen einzuführen, was einer Aufhebung der
Trennung von Religion und Staat/Recht gleichkommen würde.