Islamischer Religionsunterricht in Vorarlberg
Elisabeth Dörler, 2003, ergänzt 12/2005 und 11/2008
Aus der
staatlichen Anerkennung als Religionsgemeinschaft ersteht den Muslimen
in Österreich das gleiche Recht wie den christlichen Kirchen, bei
entsprechender Schülerzahl einen islamischen Religionsunterricht zu
einzurichten. Zur Eröffnung einer Klasse werden fünf SchülerInnen
benötigt; ab dieser Zahl finanziert der Staat die Abhaltung einer
Religionsstunde pro Woche. Die Schülerzahl kann nach der Eröffnung der
Klasse auf drei zurückgehen, ohne dass der Anspruch auf eine
Religionsstunde verloren geht. Bei Klassen unter fünf Kindern kann der
Religionsunterricht stattfinden, muss aber dann von der jeweiligen
Glaubensgemeinschaft finanziell selbst getragen werden. Ab zehn Kindern
übernimmt die öffentliche Hand die Bezahlung einer zweiten
Religionsstunde pro Woche.
Religion ist in Österreich ein
Wahlpflichtfach. Abmeldungen vom Unterricht können die Eltern
vornehmen, sowie ab der Vollendung des 14. Lebensjahres auch der oder
die Jugendliche.
Es gibt einen vom österreichischen Staat
approbierten Lehrplan für den jeweiligen Religionsunterricht.
Approbierte islamische Religionsbücher existieren für die 1. bis 8.
Schulstufe. Ein weiteres Lehrmittel ist der Koran. Die Rezitation aus
dem Heiligen Buch des Islam muss auf Arabisch erfolgen. Die Sprache des
Unterrichts muss jedoch Deutsch sein: ReligionslehrerInnen müssen, so
ihre Muttersprache nicht Deutsch ist, den Nachweis über ihre
Deutschkenntnisse erbringen. Die Aleviten (von den rund 3.581
türkisch-stämmigen Kindern in Vorarlberg dürften knapp ein Viertel,
also 900, Aleviten sein) melden ihre Kinder zumeist vom islamischen
Religionsunterricht ab. Diese Gruppe regelt ihre religiöse Erziehung
auf privater Basis.
Mehr als die Hälfte der türkischen
Kinder/Jugendlichen in Vorarlberg, knapp 2000 SchülerInnen, besuchen
den in den Schulen angebotenen islamischen Religionsunterricht. Die
islamischen Religionslehrer werden durch die Islamische
Glaubensgemeinschaft in Österreich zugewiesen, und nur diese darf die
fachliche Inspektion vornehmen. Seit 2005 sind der Islamischen
Glaubensgemeinschaft unterstellte Fachinspektoren für den staatlichen
Islam-Unterricht im Einsatz. Für Vorarlberg ist Herr Dr. Fuat Sanac
zuständig. Derzeit unterrichten in Vorarlberg 15 Lehrer, die ca. 300
Stunden islamische Religion unterrichten.
Eine Änderung der
Einstellungsbedingungen für LehrerInnen der islamischen Religion in
Österreich dürfte sich in näherer Zukunft ergeben, da am 23. April 1998
der Oberste Rat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, der
Schura-Rat, die Erlaubnis erhielt, eine Islamische
Religionspädagogische Akademie zu eröffnen. Die Eröffnung fand im
September 1998 statt. Die entsprechenden Professoren für den Islam
werden von der Al-Azhar Universität (Kairo/Ägypten) entsandt. Ein
österreichischer Lehrkörper lehrt die humanistischen Fächer.
Ergänzung November 2008:
Ausführliche Informationen zum aktuellen Stand des islamischen Religionsunterrichts in Österreich zum Zeitpunkt 2007 bietet
Mouhanad
Khorchide, Universität Wien, in seinem Artikel: "Die Ausbildung von
ReligionslehrerInnen für den islamischen Religionsunterricht an
öffentlichen Schulen in Österreich. Chancen und Herausforderungen".
Dieser
erschien im "Magazin. Erwachsenenbildung.at", Ausgabe 5/2008, die dem
Themenschwerpunkt "Mehr als Deutschkurse. Migration und
Interkulturalität in der Erwachsenenbildung" gewidmet ist.
erwachsenenbildung.at/magazin/08-5/meb08-5.pdf