okay. zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung und Integration
Färbergasse 15/304 . 6850 Dornbirn. Tel. +43 5572 398102 0 . www.okay-line.at




Verband Islamischer Kulturzentren (= VIKZ)

Elisabeth Dörler, 2003.

1972 wurde die erste Religionsgemeinde des heutigen Verbandes Islamischer Kulturzentren (VIKZ) in Vorarlberg gegründet. Der Vorarlberger Verband mit der Funktion eines Dachverbandes wurde 1987 gegründet. Heute bestehen im Land sieben Ortsgemeinden. Jede bildet einen eigenen Verein. Der Vorarlberger VIKZ ist mit der europäischen Zentrale des Verbandes in Köln verbunden. Köln wiederum ist der Istanbuler Zentrale gegenüber verantwortlich.

Die VIKZ ist theologisch eine islamische Bewegung der hanafitischen sunnitischen Rechtsschule und wurde von Süleyman Hilmi Tunahan begründet. Die Mitglieder dieser Gruppe haben von ihrem Gründer auch den Namen Süleymancilar. Sie bilden einen modernen Ableger des schon im Mittelalter gegründeten Nakschibendi-Ordens. Die islamischen Orden (tarikat) sind in der Türkei verboten. Auch die Aktivitäten von S. H. Tunaham, die Gründung von Koranschulen und religiösen Studentenheimen nach der Abschaffung des (von der neuen Regierung wieder eingeführten) Religionsunterrichtes an den Schulen durch den laizistischen türkischen Staat, brachten den Staat gegen diese Bewegung auf. Die Süleymancilar selbst sehen sich nicht als religiösen Orden. Ziel der Bewegung ist die Verbreitung des Koran und damit des Islam auf der ganzen Welt, sowie die Aufrechterhaltung islamischer und türkischer Werte bei den türkischen Emigranten im Westen. Dazu dienen vor allem Koranschulen, wie sie von S. H. Tunahan begründet wurden. Inhaltlich wird ein Gedankengut verbreitet, das Elemente des traditionellen Islam und des türkischen Nationalismus enthält. Nach eigenen Angaben verfolgt der VIKZ keine politischen Ziele. Bildung (religiöse und weltliche) ist ein zentrales Anliegen der Bewegung.

Die sieben Ortsgemeinden in Vorarlberg zählen rund 200 aktive Mitglieder, die auch regelmäßig Mitgliedsbeiträge bezahlen. Davon sind über die Hälfte österreichische Staatsbürger. (70% der Vereinsvorstände sind, wie die Verbandssprecher besonders betonen, österreichische Staatsbürger.) Der VIKZ rechnet, dass er insgesamt ca. 2000 Personen erreicht. Jede der Ortsgemeinden wird von einem Hodscha aus der Türkei betreut. Diese wurden in einer der privaten Koranschulen der Bewegung des VIKZ in der Türkei oder an einem Imam Hatip Lisesi (einer Prediger- und Vorbeterschule) ausgebildet. Die in Vorarlberg gespendete zekat (rituelle Almosensteuer) wird über Köln an vom VIKZ geführte Schülerheime in Istanbul weitergegeben. Die Ortsvereine in Vorarlberg sind:

  • Kennelbach, Hofsteigstraße 2
  • Lustenau, Flurstraße 30
  • Dornbirn, Marktstraße 46, und Islamisches Zentrum in der Bildgasse 17
  • Hohenems, Friedhofstraße 5
  • Götzis, Zollwehr 10
  • Rankweil, Dr. Griß Straße 6
  • Bludenz, St. Peters Straße 23


Das Angebot des VIKZ in Vorarlberg umfasst:

  • Koran-Schulen am Wochenende
  • ein islamisches Schülerheim
  • Projekte für jugendliche Arbeitslose
  • Sprachkurse für Frauen und Jugendliche, die erst durch die Familienzusammenführung mit 14/15 Jahren hierher kamen, und Computerkurse (in Zusammenarbeit mit der Vorarlberger

Arbeiterkammer)

  • Kurse für Müllentsorgung


Das Islamische Zentrum in der Bildgasse hat die Funktion eines Bildungs- und Begegnungszentrums für ganz Vorarlberg. Es gibt Pläne, im Raum Feldkirch ein Zentrum einzurichten, das sich mit der Beratung und Begleitung von Kranken und Sterbenden beschäftigt und Schulungen für das Krankenhauspersonal anbietet.

Seit 1997 unterrichten islamische Religionslehrer des VIKZ auch an öffentlichen Schulen in Vorarlberg. Die Anstellung erfolgte über die für den islamischen Religionsunterricht in Österreich zuständige Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich. Ein Student des VIKZ besucht derzeit die mit dem Schuljahr 1998/99 eröffnete islamische Religionspädagogische Akademie in Wien, in der die Ausbildung der in Österreich tätigen islamischen Religionslehrer erfolgt.

__
Sas, 02.03.2010