Lyrik: "Heim.at" – Gedichte von türkischen ImmigrantInnen
"Gedichte schreiben ist in der Türkei fast ein Volkssport", sagt der
Herausgeber Gerald Kurdoglu Nitsche vom Eye Literaturverlag. Auch
Auswanderer haben ihre Liebe zur Volksdichtung und neuen Formen der
Lyrik nicht aufgegeben. Nitsche, der acht Jahre am St.-Georg-Kolleg in
Istanbul unterrichtete, versammelt Texte in sechs Sprachen in diesem
dritten Band der Reihe "Neue österreichische Lyrik".
Vor 40
Jahren warb Österreich die ersten Gastarbeiter aus dem ehemaligen
Jugoslawien und der Türkei an. Geglückte und missglückte Integration
sind bis heute ein Thema geblieben. "Ist er fremd in der Heimat oder in
der Fremde, er weiß es nicht. Ein Gast ist er überall", heißt es etwa
im Gedicht "Gastarbeiter" des türkischen Politikers Bülent Ecevit.
Oft
reicht schon ein Satz, um den Leser auf Gedankenreisen zu schicken.
"Wird es schwer sein in der Heimat meines Sohnes zu sterben", schreibt
hier Kundeyt Surdum, der seit 1971 in Vorarlberg lebt. Die Gedichte der
35 Autorinnen und Autoren umkreisen neben dem Heimatthema auch die zwei
großen Bereiche Liebe und Leben. Die Texte überraschen, machen
neugierig und werden für eine schöne Zeit zum Begleiter.

Hg. Gerald Kurdoglu Nitsche/Yeliz Dagdevir. "heim.at". Edition Eye 2004, 143 Seiten, 19 €