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Projektstelle für Zuwanderung und Integration
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Sprache: Das Langenscheidt Grundschulwörterbuch Deutsch
Lyrik: "Heim.at" – Gedichte von türkischen ImmigrantInnen
Literatur: "andernWOrts"


Migration und Integration: Von Soliman bis Omofuma. Afrikanische Diaspora in Österreich.

"Von Soliman bis Omofuma. Afrikanische Diaspora in Österreich. 17. bis 20. Jahrhundert"
Hg.v. Walter Sauer. StudienVerlag Innsbruck, Wien, Bozen 2007. 269 Seiten

Der von Walter Sauer herausgegebenen Sammelband "Von Soliman bis Omofuma" präsentiert das Thema im historischen Zusammenhang vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Den ausführlich recherchierten wissenschaftlichen Aufsätzen sind auch kurze Texte aus zeitgenössischen Quellen beigegeben, welche auf die Biographien von Afrikanern in Wien und Österreich verweisen.

Unter dem Titel "Sklaven, Freie, Fremde" verweisen Walter Sauer und Andrea Wiesböck in einem gemeinsamen Aufsatzes auf die differenzierte soziale Stellung von AfrikanerInnen im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts, die mit dem zeitgenössischen Begriff "Mohren" klassifiziert wurden. Ihre Anwesenheit in Österreich erklärt sich vor allem durch den Konflikt mit dem Osmanischen Reich (so genannte "Beutetürken") und Verbindungen zum südeuropäischen Sklavenhandel.

In einem gesonderten Artikel befasst Sauer sich mit der Biographie Angelo Solimans, des bekanntesten der so genannten "Hofmohren" des 18. Jahrhunderts in Wien. Sauer versucht hier, dem wuchernden "Mythos" über Soliman die quellenmäßig fassbare Wirklichkeit entgegenzustellen.

Wie Christine Sulzbacher in ihrem Aufsatz "Beten - dienen - unterhalten. Die Funktionalisierung von Afrikanern und Afrikanerinnen im 19. Jahrhundert in Österreich" hinweist, waren die Lebensmöglichkeiten von AfrikanerInnen in Österreich beengt. Obwohl Österreich keine Kolonialpolitik betrieb, wie sie andere europäische Staaten führten, hatte das koloniale System auch Auswirkungen auf die Denkweisen der Österreicher und Österreicherinnen und formte die Umstände, unter denen Afrikaner und Afrikanerinnen nach Österreich kamen, hier lebten und arbeiteten.

Herwig Czech verweist mit dem Titel seines Aufsatzes "Vorwiegend negerische Rassenmerkmale" auf die rassistische Terminologie und die mörderische Praxis des NS-Regimes. Die Tatsache, dass unter den Verfolgten des NS-Regimes in Österreich auch Personen afrikanischer Abstammung waren, darunter Kinder, die als "Mischlinge" eingestuft wurden, ist im öffentlichen Bewusstsein kaum verankert. Czech macht unter anderem auf den vor 1933 in der radikalen Arbeiterbewegung engagierten Malinesen Tiémoko Garan Kouyaté aufmerksam, der im Juli 1944 im KZ Mauthausen umkam.

In Vorarlberg waren als Teile der französischen Besatzungstruppen auch nordafrikanische Einheiten stationiert. Die Beziehungen von marokkanischen Soldaten zu österreichischen Frauen unterlagen einer starken Tabuisierung, unter deren psychischen Folgen auch noch die Kinder aus solchen Beziehungen zu leiden haben. Hamid Lechhab versucht daher, sich dem Thema "Marokkanische Besatzungskinder in Vorarlberg nach 1945" vor allem mit Methoden der Oral History in Verbindung mit Erkenntnissen der Psychoanalyse anzunähern.

Der abschließende Überblick von Walter Sauer "Afro-österreichische Diaspora heute. Migration und Integration in der 2. Republik" thematisiert den öffentlichen Diskurs über afrikanische Zuwanderer, der nicht zuletzt von rassistischen Vorurteilen geprägt ist. Das führt dazu, dass eine der kleinsten Ausländergruppen in Österreich in der öffentlichen Wahrnehmung als eine "Problemgruppe" gesehen wird. Neben alltäglichen Beispielen von Diskriminierung verweist Sauer auf Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt, auf Armut und Abtauchen in Schattenwirtschaft mit daraus resultierenden Folgen. Im Gegenzug verweist er auf die starke Vereinstätigkeit afrikanischer Zuwanderer. Es entsteht auch ein kleinunternehmerisches "African Business", das vor allem spezifische Nachfragen abdeckt. Eine für die Bedürfnisse der African Community entstandene Medienszene in Österreich unterliegt starken Veränderungen. Von den vielfältigen künstlerischen Ausdrucksformen der Migrantenszene wird vor allem die afrikanische Musik rezipiert. Nicht zuletzt sieht Sauer Ansätze zu einer politischen Partizipation von Austro-AfrikanerInnen.

Quelle: APA-Originaltonservice, 17.1.2007

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Sas, 02.03.2010