Programm „mehr Sprache.“

mit den Programmbereichen Frühe Sprachförderung im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit und Sprachkompetenztrainings für Jugendliche

 

Das Programm „mehr Sprache.“ wurde 2007 von der Vorarlberger Landesregierung auf Basis einer Initiative des Landtags und eines Beschlusses aller vier damals im Landtag vertretenen Parteien initiiert. Mit der Entwicklung und Umsetzung wurde die Projektstelle für Zuwanderung und Integration okay.zusammen leben beauftragt.

Das Globalziel des Programms "mehr Sprache." ist, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche in Vorarlberg ungeachtet ihrer familiären Herkunft eine bestmögliche Unterstützung ihrer Sprachentwicklung und ihrer sprachlichen Kompetenzen erhalten. Dafür Sorge tragen müssen bzw. können Familien, das soziale Umfeld von Familien, familienunterstützende Systeme und Institutionen und Bildungsinstitutionen. Sie alle adressiert das Programm „mehr Sprache.“ in und durch unterschiedliche Angebote, Produkte und Formate.

Um den unterschiedlichen Zielgruppen gerecht zu werden, die im Sinne einer guten Wirkung für die Kinder und Jugendlichen adressiert werden müssen, wurden verschiedene Angebote, Wissensprodukte und Vermittlungsformate entwickelt. Sie nehmen jeweils Bezug auf einander und machen somit die einzelnen Entwicklungen effizienter bzw. intensivieren dadurch ihre Wirkung.

 

Programmbereiche „Frühe Bildung“

 

„BrückenbauerInnen“

Adressierte Zielgruppe: PädagogInnen, Eltern

„BrückenbauerInnen“ sind interkulturell erfahrene (Laien-)DolmetscherInnen für die Kommunikation von PädagogInnen mit Eltern ohne bzw. mit wenig Landessprachkenntnisse(n). Sie sind damit eine wichtige Unterstützung für eine gute Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Bildungsinstitution. Diese Partnerschaft ist gerade in einem Bildungssystem, das stark von der Mitwirkung der Eltern abhängig ist, wichtig für das Fortkommen der Kinder. okay.zusammen leben führt einen Pool an LaiendolmetscherInnen (inkl. Weiterbildung und Supervision) und vermittelt die Einsätze an die Bildungsinstitutionen. Damit erschließen wir auch das spezifische Potential von Menschen mit Migrationshintergrund (Zweisprachigkeit, interkulturelle Kompetenz) für eine bessere Bildungsintegration unserer Kinder. Derzeit dolmetschen 45 „BrückenbauerInnen“ in 16 Sprachen (Anzahl der Einsätze von 2008 bis 2016: 2.037).

Weiter zum Angebot: http://www.okay-line.at/okay-programme/brueckenbauerinnen/

 

Elternbildung für den frühen Spracherwerb im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit

Adressierte Zielgruppe: Eltern, Community-AkteurInnen wie Migrantenvereine, Hauptamtliche und MultiplikatorInnen im Feld Elternberatung und –bildung, Bibliotheken

Die Produkte und Formate im Bereich Elternbildung sprechen zwei Zielgruppen an: einerseits direkt Eltern mehrsprachig aufwachsender Kinder und darüber hinaus Personen, die in der Elternberatung und –begleitung tätig sind.

Die Angebote für Eltern sind:

  • Kostenloser zweisprachiger Elternratgeber zum Thema „Wie kann ich die Sprachentwicklung  meines Kindes fördern“ (erhältlich in sechs Sprachen plus Deutsch)
  • „Materialienpaket früher Spracherwerb“ für Eltern mit Spielen und mehrsprachigen Kinderbüchern inkl. einer konkreten Handreichung für Eltern (wieder in zweisprachigen Ausgaben), das in Bibliotheken und Ludotheken ausgeliehen werden kann.(1)
  • 12-stündige Eltern-Workshops zu Fragen des frühen Spracherwerbs (inkl. 2-stündiger Informationsveranstaltung vorab; beides auch in den Herkunftssprachen der Eltern)

Für ElternberaterInnen und –bildnerInnen wurde ein Lehrgang entwickelt und angeboten, der dieser Gruppe Kompetenzen für eine Begleitung von Eltern in Fragen früher (Sprach-)bildung im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit vermittelte. Dieser Lehrgang wurde von 2008 bis 2009 in 2 Durchgängen angeboten (insgesamt 50 TeilnehmerInnen). Darüber hinaus wurden Inhouse-Weiterbildungen für MitarbeiterInnen in diesem Feld durchgeführt. Über diese Eigenveranstaltungen von okay. zusammen leben hinaus, bringen unsere ExpertInnen des Kompetenznetzwerkes ihr Wissen landesweit in den Weiterbildungen und Ausbildungen der anderen Anbieter des Themenfelds „Elternarbeit und –bildung“ ein.

Die Programmbereich Elternbildung wurde im Jahr 2010 mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet. Als besonderen Erfolg werten wir zudem die insgesamt sechs Lizenzverkäufe des mehrsprachigen Elternratgebers „Wie kann ich die Sprachentwicklung meines Kindes fördern“ an drei Schweizer Kantone bzw. kantonale Departements, an Liechtenstein und an 2 österreichische Bundesländern.

(1) In diesem Zusammenhang ist auch das EU-Projekt „Libraries für all“ zu erwähnen, das schwerpunktmäßig zwei Bibliotheken beim Aufbau eines spezifischen Bestandes an Büchern und Medien für neue Zielgruppen und bei der Erstellung mehrsprachiger Informationsmaterialien unterstützte.

Weiter zu den Angeboten: http://www.okay-line.at/okay-programme/elternratgeber/

 

Weiterbildungsangebote für PädagogInnen

Adressierte Zielgruppe: PädagogInnen der Frühen Bildung und der Pflichtschulen

In den letzten Jahren wurden verschiedene Weiterbildungsangebote für PädagogInnen vom Bereich der frühkindlichen Bildung bis zum Pflichtschulbereich entwickelt und umgesetzt.

  • Ausgangspunkt war das Kompetenztraining „Deutsch als Zweitsprache unter den Bedingungen von Mehrsprachigkeit“ für PädagogInnen, die in Spielgruppen, Kindergärten und Volksschulen arbeiten. Zwischen 2008 und 2012 wurden in diesen 4-tägigen Trainings insgesamt 237 PädagogInnen geschult. Zunächst von der Projektstelle auch organisiert und durchgeführt, ist das Training mittlerweile Bestandteil der Kindergartenfortbildung des Landes Vorarlberg.
  • Seit 2012 werden im Rahmen der „Lokale Sprachfördernetzwerke zur Weiterentwicklung der Qualität der frühen Sprachförderung in Vorarlberg“ PädagogInnenteams ganzer Kommunen umfassend in der Frage einer guten Sprachförderung aller Kinder (inkl. der Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch) geschult und trainiert. Der Vorteil dieses Ansatzes ist eine höhere Wirksamkeit der Methoden, weil ganze Institutionen und Kommunen auf Basis eines kongruenten Sprachfördermodells trainiert werden.
  • Die ExpertInnen des Kompetenznetzwerks bringen mittlerweile ihre Expertise für eine gelingende frühe Sprachförderung im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit in allen Ausbildungs- und Weiterbildungsformaten des Landes Vorarlberg im Bereich der frühen Bildung ein (z.B. Schloss Hofen, BFI).
  • Seit Herbst 2015 bieten wir eine dreiteilige Workshopreihe für PädagogInnen im Pflichtschulbereich (Volksschule und Sekundarstufe I) an, die sich der sprachlichen Förderung von QuereinsteigerInnen (Kinder und Jugendliche aus Krisenregionen) mit Schwerpunkt Deutscherwerb widmet. Diese Workshopreihe wird im Herbst/Winter 2016/17 zum dritten Mal veranstaltet.

 

Lokale Sprachfördernetzwerke zur Weiterentwicklung der Qualität der frühen Sprachförderung in Vorarlberg

Adressierte Zielgruppe: Kommunen (als Institution und als Sozialraum)

Mit lokalen Sprachfördernetzwerken soll die gute und abgestimmte Zusammenarbeit möglichst vieler an der Sprachförderung von Kindern beteiligten Institutionen (Elternbildung, Familienservice, Migrantenvereine, Kinderbetreuung, Spielgruppen, Kindergärten, Volksschulen, Bibliotheken, ...) gefördert werden. Das Ziel ist, die Stoßkraft der Sprachförderung für alle Kinder, unabhängig von ihrer Erstsprache, entscheidend zu erhöhen und zu einer stärkeren Wirkung der einzelnen Maßnahmen beizutragen. Für den Aufbau dieser lokalen Sprachfördernetzwerke wurden 7 inhaltliche Leitlinien als Standards für die Entwicklung, Priorisierung, Bewertung und Wirkungsbeobachtung von Maßnahmen entwickelt. Derzeit umfasst dieses Netzwerk 6 Kommunen (Bludenz, Feldkirch, Frastanz, Hard, Rankweil, Wolfurt) in Vorarlberg, in denen ca. 20% der Vorarlberger Bevölkerung leben.

Die Lokalen Sprachfördernetzwerke erhielt 2014 den „Intercultural Achievement Award / Special Award for Integration“. Die Lokalen Sprachfördernetzwerke haben im Jahr 2015 außerdem das Europäische Sprachensiegel erhalten.

Weiter zum Angebot: http://www.okay-line.at/okay-programme/netzwerk-mehr-sprache/

 

Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für das Thema Mehrsprachigkeit

Adressierte Zielgruppe: Interessierte Öffentlichkeit

Diese Programmschiene war speziell in den ersten beiden Jahren der Programmumsetzung aktiv. Von 2008 bis 2009 begleitete die Vortragsreihe „mehrsprachig. Wegweiser zur Kommunikation im 21. Jahrhundert“ das Programm und schuf einen öffentlichen Diskurs- und Verständigungsrahmen für die aktuellen sprachpolitischen Entwicklungen und Debatten. Von 2008 bis 2014 haben ca. 1000 Personen an diesen Veranstaltungen teilgenommen.

Eine Dokumentation der Vortragsreihe „mehrsprachig. Wegweiser zur Kommunikation im 21. Jahrhundert“ finden Sie hier.

 

 

Programmbereiche Sprachkompetenztrainings für Jugendliche

 

Sprachkompetenztrainings+ (SKT+)

Die Sprachkompetenztrainings+ sind eine Sprachfördermaßnahme mit einer durchschnittlichen Dauer von 100 Einheiten, die auf die Entwicklung von (bildungs-)sprachlichen Kompetenzen bei Jugendlichen am Übergang Schule/Arbeitsmarkt abzielt. Neben der Weiterbildung (bildungs-)sprachlicher Kompetenzen stehen zudem die Förderung und Festigung mathematischer Grundfertigkeiten, IKT- und sozialen Kompetenzen im Fokus.

Eine weitere Zielgruppe von SKT+ sind Organisationen, die mit Jugendlichen an der Schnittstelle Schule/Arbeitsmarkt arbeiten – wie die Offene Jungendarbeit oder Überbetriebliche Ausbildungszentren. Solchen Einrichtungen werden im Rahmen von Wissenstransfers die Methoden und Inhalte der Sprachkompetenztrainings vermittelt mit dem Ziel, dass sie Jugendliche besser alltagsintegriert bei ihrer Sprachentwicklung unterstützen können.

Die Sprachkompetenztrainings wurden 2011 und 2013 mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielten sie den Sozialpreis der Bank Austria für gemeinnützige Initiativen und Einrichtungen.

Weiter zum Angebot: http://www.okay-line.at/okay-programme/mehr-sprache-sprachkompetenztrainings-fuer-jugendliche/