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mehr Sprache. Sprachkompetenztrainings für Jugendliche an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt

Viele Jugendliche nichtdeutscher Muttersprache, die sich heute an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt befinden, konnten von den Sprachfördermaßnahmen in der Schule nicht profitieren. Aufgrund verschiedenster Einflussfaktoren erlangen diese Jugendlichen weder in ihrer Erst- noch in ihrer Zweitsprache ein für ihre weitere Ausbildung ausreichendes Sprachkompetenzniveau. Als Folge gelingt es Ihnen auch nicht ihre Potentiale in anderen arbeitsmarktrelevanten Bereichen zu entwickeln. In der Entwicklung spezifischer Sprachkompetenztrainings für Jugendliche nichtdeutscher Muttersprache an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt sieht "okay. zusammen leben" deshalb ein wichtiges ergänzendes Handlungsfeld für Fördermaßnahmen an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt.

Seit mehreren Jahren steigt das Bewusstsein für die Problemlage von Jugendlichen mit soziostrukturellen Benachteiligungen am Übergang Schule Arbeitsmarkt im deutschsprachigen Raum. Besonders stark betroffen sind dabei Jugendliche mit nichtdeutscher Muttersprache. Jugendliche mit soziostrukturellen Benachteiligungen sind am Übergang Schule Arbeitsmarkt oft mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert. Als wesentliche Einflussgrößen für den erschwerten Übergang gelten:

- Qualifizierung
  • Grundlagen (Lesen, Schreiben, Rechnen)
  • Sprachkompetenz
  • berufsspezifische Anforderungen
- Soziale Kompetenz
- Soziales Kapital/Netzwerkstrukturen
- Diskriminierung

Die große Mehrheit der bisherigen Programme und Maßnahmen für diese Zielgruppe sind stark an den individuellen Defiziten der Jugendlichen bezüglich ihrer Qualifizierung orientiert und zielen in erster Linie auf deren Ausgleich bzw. Behebung ab. Dieser Defizit- und problemorientierte Zugang vernachlässigt die Förderung der Potentiale und Ressourcen der Jugendlichen. Im Vordergrund stehen nicht ihre Stärken und Potentiale, sondern vor allem ihre Defizite und Probleme. Soziostrukturell benachteiligte Jugendliche sind oft über viele Jahre nur mit diesem defizitorientierten Wahrnehmungsmuster konfrontiert und verfügen dementsprechend über wenig Selbstvertrauen und Motivation. Lernen bedeutet für sie nicht, sich mit den eigenen Interessen und Fragen auseinanderzusetzen, sondern vorwiegend mit ihren Schwächen konfrontiert zu werden und Defizite zu bearbeiten.
Erste Ansätze für eine ressourcenorientierte Arbeit mit diesen Jugendlichen sind in Vorarlberg in verschieden Einrichtungen an der Schnittstelle Schule Arbeitmarkt erprobt worden. Die Schwerpunkte liegen dabei in der Qualifizierung bzgl. berufsspezifischer Anforderungen für den Arbeitsmarkt und im Bereich soziale Kompetenz. Bei der Förderung der grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen stoßen diese Einrichtungen aufgrund der nicht ausreichenden Sprachkenntnisse der Jugendlichen im "bildungssprachlichen" Bereich und dem Mangel an entsprechenden Fördermodellen an Grenzen. Mit der Entwicklung spezifischer Sprachkompetenztrainings für diese Jugendlichen trägt "okay. zusammen leben" grundlegend zu einem ressourcenorientierten Fördermodell für diese Jugendlichen bei. Spezifisches Ziel dieser Sprachkompetenztrainings ist die Förderung der "Bildungssprache", die die notwendige Voraussetzung für die Aus- und Weiterbildung darstellt.


Entwicklung und Verlauf des Projektes
Im Jahr 2008 führte Frau Dr. Susanne Steinböck-Matt im Auftrag von "okay. zusammen leben" eine grundlegende Recherche über Sprachfördermodelle im deutschsprachigen Raum an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt mit einem Fokus auf die Förderung der Bildungssprache durch. Im Jahr 2009 folgte darauf aufbauend eine Pilotphase für die Konzeption und Durchführung entsprechender Sprachkompetenztrainings. Seit 1.1.2010 führt "okay. zusammen leben" die Sprachkompetenztrainings im Rahmen des ESF 3b/2 Förderschwerpunktes in verschiedenen Einrichtungen an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt durch. Die ersten Rückmeldungen aus der Praxis sind erfolgversprechend, der Bedarf groß. Auf Basis der positiven Rückmeldungen aus der Praxis und der vorhandenen Expertise will "okay. zusammen leben" dieses Modell im Rahmen des ESF 3b/2 Förderschwerpunktes für eine breitere Anwendung in Einrichtungen an der Schnittstelle Schule Arbeitsmarkt und für die Implementierung in das Regelsystem zur Verfügung stellen.


Akquise, TeilnehmerInnenzahl, Gruppenzahl, Gruppeneinteilung
Um zum Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Modellprojekten und zur Entwicklung des Gesamtprojektes beizutragen, werden die TeilnehmerInnen aus anderen im Rahmen des ESF 3b/2 geförderten Modellprojekten akquiriert. In der wechselseitigen Absprache entsteht eine Synergie zwischen den verschiedenen Kompetenzbereichen der beteiligten Institutionen, die wesentlich zur Weiterentwicklung der Förderkonzepte für die Jugendlichen mit Migrationshintergrund beiträgt.

Die Einteilung in Gruppen erfolgt durch die TrainerIn in Absprache mit der zuständigen Person der Einrichtung, in der die Jugendlichen weitergebildet werden. Die Gruppen werden auf Basis der individuellen Leistungsniveaus und Förderbedürfnisse zusammengestellt. Dazu wird zu Beginn ein Eingangsgespräch zur Potential- und Zielanalyse durchgeführt. Hierzu wird auch die Lernbiographie berücksichtigt und eine Sprachstandsfeststellung durchgeführt. Auf Basis dieser differenzierten Gruppenzusammenstellung, der Erhebung der Potentiale, Ressourcen, Bedürfnisse und Ziele der Jugendlichen werden individuelle Förderkonzepte erstellt, die dann 20 Wochen lang jeweils 3 bis 4 Einheiten pro Woche trainiert werden.


Durchgängige Sprachförderung
Aktuelle sprachwissenschaftliche Forschungen betonen die Bedeutung einer durchgängigen Sprachförderung für den Spracherwerbsprozess. Parallel zu den Sprachkompetenztrainings werden deshalb Module zur durchgängigen Sprachförderung in der Einrichtung aufgebaut. Die Sprachförderung soll also nicht auf die Sprachkompetenztrainings beschränkt bleiben, sondern auch in den beruflichen Alltag der Jugendlichen integriert werden. Dazu werden die MitarbeiterInnen der Einrichtung durch unsere ExpertInnen vorab geschult und sensibilisiert. In Zusammenarbeit mit den Einrichtungen entwickeln die SprachkompetenztrainerInnen von "okay. zusammen leben" Konzepte für die sprachliche Förderung der Jugendlichen in ihrem beruflichen Alltag. Während des Jahres finden regelmäßig Teamsitzungen und Coachings zur Besprechung der Entwicklung der Jugendlichen und etwaiger Fragen bzgl. Fördermöglichkeiten statt. Die MitarbeiterInnen werden also in diesem Prozess der durchgängigen Sprachförderung konstant von unseren ExpertInnen begleitet.


Inhalte der Sprachkompetenztrainings
Auf Basis der Ergebnisse der Lernforschung und der Sprachwissenschaften zielen die Sprachkompetenztrainings insbesondere auf die Förderung folgender Kompetenzen:
  • Der Bildungssprache mit Bezug zum beruflichen Alltag und den Lernanforderungen der Weiterbildung sowie
  • der Strategie- und Lernkompetenz: Wie gehe ich mit Aufgabenstellungen um? Wie lerne ich meinen Bedürfnissen, Ressourcen und Zielen entsprechend?


Verknüpfung von Sprach- und Sozialkompetenz
Sprache umfasst auch viele Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung. Neben den Sprachkompetenztrainings ist deshalb die Durchführung ergänzender Angebote zur Verknüpfung von Sprach- und Sozialkompetenz geplant. Diese Angebote zielen unter Verwendung spielerischer Methoden auf die Förderung folgender Bereiche:
  • Selbsterfahrung: Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen
  • Soziale Kompetenz
  • Kommunikative Kompetenz


Evaluation, Dokumentation und Überführung ins Regelsystem
Die Sprachkompetenztrainings sind als lernendes Programm konzipiert und werden deshalb fortlaufend formativ evaluiert und dokumentiert. Am Ende jedes Trainingssemesters wird eine Sprachstandsfeststellung und Evaluation durchgeführt. Es wird ein Zwischenbericht über den Verlauf des Trainings und die Entwicklungen der Jugendlichen erstellt. Dazu werden die Einheiten sowie die Entwicklungen der Jugendlichen während des Trainings dokumentiert. In Abhängigkeit von den Erfahrungen und den Ergebnissen der Evaluation wird das Sprachkompetenztraining entsprechend adaptiert. Am Ende des ersten Jahres wird ein ausführlicher Zwischenbericht erstellt. Im Herbst 2011 wird ein Abschlussbericht mit Beschreibung des Modells und der Ergebnisse des Modellprojektes sowie einem Vorschlag für die Überführung ins Regelsystem erstellt. Auf Basis dieses Papiers kann das Fördermodell 2012 ins Regelsystem implementiert werden.


Team
Projektleitung: Dr. Simon Burtscher
Fachexpertise: Dr. Susanne Steinböck-Matt
SprachkompetenztrainerInnen: Birgit Peter, MA; Stefan Rainer, bacc.


Die Sprachkompetenztrainings werden im Rahmen des ESF 3b/2 Förderschwerpunktes durch folgende Institutionen gefördert:

Adresse:
okay. zusammen leben
Projektstelle für Zuwanderung und Integration
Färbergasse 15/304
6850 Dornbirn
Tel. +43-5572-398102
Fax. +43-5572-398102-4
Kontakt:
Dr. Simon Burtscher
Tel. +43-5572-398102
simon.burtscher@okay-line.at