Zusammensetzung der Vorarlberger Bevölkerung

Verschiedene Kennzahlen werden üblicherweise verwendet, um die Zusammensetzung einer Bevölkerung nach ihrer (familiären) Herkunft zu beschreiben:

Häufig herangezogen wird das Geburtsland, wodurch erkennbar wird, welcher Teil der Bevölkerung im Laufe des Lebens zugewandert ist.

Ein ebenfalls gebräuchlicher Indikator ist die Staatsbürgerschaft, die allerding keine Informationen darüber gibt, ob eine Person in ihrem Leben bereits einmal ein- oder ausgewandert ist. So kann bspw. eine Personen, die nach Österreich zugewandert ist (mittlerweile) die österreichische Staatsbürgerschaft haben, oder eine Person, die in Österreichisch geboren ist, eine nicht-österreichische Staatsbürgerschaft.

Der „Migrationshintergrund“ bezieht sich auf das Geburtsland einer Person bzw. ihrer Eltern. Ist eine Person außerhalb Österreichs geboren, wird von der ersten Generation gesprochen (die Person ist selbst eingewandert); ist eine Person in Österreich geboren und hat Eltern (bzw. ein Elternteil), die im Ausland geboren wurden, wird von der zweiten Generation gesprochen (die Person ist selbst nicht eingewandert). Der Vorteil des Indikators “Migrationshintergrund“ ist, dass Integrationsprozesse über Generationen hinweg beobachtet werden können.


Geburtsländer der Vorarlberger Bevölkerung

Mit dem 1. Jänner 2018 waren 79 % der Vorarlberger Bevölkerung in Österreich geboren. Die anderen 21 % sind außerhalb von Österreich geboren und somit zugewandert (diese Personen werden üblicherweise als „erste Generation“ bezeichnet). Diese knapp 20 % setzen sich folgendermaßen zusammen: 6 % dieser zugewanderten VorarlbergerInnen sind in einem „alten“ EU-Staat (Beitritt vor 2004) und 3 % in einem „neuen“ EU-Staat (Beitritt ab 2004) geboren. Personen, die in einem EU-Drittstaat geboren sind, machen 11 % der Vorarlberger Bevölkerung aus.

Die wichtigsten Geburtsländer neben Österreich sind Deutschland und die Türkei; mit einigem Abstand gefolgt von Bosnien und Herzegowina, Serbien, der Schweiz, Syrien, Rumänien, Italien, Ungarn und Kroatien. Im Vergleich zu Gesamtösterreich leben in Vorarlberg mehr Menschen mit einem Geburtsort in den „alten“ EU-Staaten und weniger Menschen mit einem Geburtsort in den „neuen“ EU-Staaten. Im Vergleich mit Gesamtösterreich ist auch der Anteil der Personen, die in Deutschland oder der Türkei geboren wurden, höher.

In den letzten Jahren kam es zu einer starken Zuwanderung von Personen aus Krisen- und Kriegsregionen. Die überwiegende Mehrheit dieses Zuzugs entfiel auf Personen aus Syrien und Afghanistan. ZuwanderInnen aus Syrien und Afghanistan machen aber dennoch einen bedeutend kleineren Anteil der Vorarlberger Bevölkerung aus als bspw. ZuwanderInnen aus den sogenannten „Gastarbeiterländern“ (Afghanistan und Syrien zusammen: 1 %).

 

Tabelle 1: Bevölkerung Vorarlbergs nach Geburtsland (ab einem Anteil von 0,5%)

Quelle: Statistik Austria, Stichtag: 1.1.2018.


Staatsbürgerschaften der Vorarlberger Bevölkerung

Über viele Jahrzehnte waren Vorarlberg und Wien jene Bundesländer mit den mit Abstand größten Anteilen nicht-österreichischer StaatsbürgerInnen an ihrer Bevölkerung. In den 1980er Jahren war der Anteil von nicht-österreichischen StaatsbürgerInnen in Vorarlberg noch höher als in Wien (in Vlbg lag er zwischen 10 % und 11 %; in Wien zwischen 8 % und 9 %); seit 1993 ist Wien das Bundesland mit dem höchsten Anteil nicht-österreichischer StaatsbürgerInnen und Vorarlberg kommt an zweiter Stelle (inzwischen knapp gefolgt von Salzburg und Tirol). In der nachfolgenden Grafik ist die Entwicklung in Vorarlberg, Wien und Österreich (alle Bundesländer gemeinsam) ab dem Jahr 1982 dargestellt.

 

Abbildung 1: Bevölkerungsanteil nicht-österreichischer StaatsbürgerInnen (Vlbg, Wien, Österreich) ab 1982

Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes, 17.05.2018.

 

83 % der Vorarlberger Bevölkerung haben die österreichische Staatsbürgerschaft, 5 % haben die Staatsbürgerschaft eines vor 2004 beigetretenen EU-Staates und 3 % die eines ab 2004 beigetretenen, „neuen“ EU-Staates. 9 % der Vorarlberger Bevölkerung sind StaatsbürgerInnen eines Drittstaates. Die größten Gruppen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft sind Deutsche, gefolgt von TürkInnen und mit einigem Abstand Personen mit einem bosnischen, serbischen, kroatischen, ungarischen, syrischen oder rumänischen Pass.
Im Vergleich zu Gesamtösterreich ist (wie schon bei den Geburtsländern) erkennbar, dass in Vorarlberg vergleichsweise mehr Personen mit deutscher bzw. türkischer Staatsbürgerschaft leben.

 

Tabelle 2: Bevölkerung Vorarlbergs nach Staatsbürgerschaft (ab einem Anteil von 0,5%)

Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes, 17.05.2018.

 

Im Jahr 2017 wurden in Vorarlberg 410 Personen „eingebürgert“ und erhielten damit die österreichische Staatsbürgerschaft. Dabei handelt es sich bei einem geringen Teil um Personen aus anderen EU-Staaten (18 %). Überwiegend wurden Personen aus europäischen Drittstaaten (61 %) - wozu auch die Türkei zählt - eingebürgert. Die restlichen 21 % verteilten sich auf Personen mit der Staatsbürgerschaft eines Drittstaats außerhalb Europas.
Die Anzahl der eingebürgerten Personen pro Jahr lieg in Vorarlberg seit 2009 zwischen 390 und 475 Personen. Im Jahr 2006 war sie mit 1.482 Personen noch deutlich höher.

Quelle: Statistik Austria, 21.02.2018.


„Migrationshintergrund“ der Vorarlberger Bevölkerung

Nach Hochrechnungen der Statistik Austria haben ca. 25 % der Vorarlberger Bevölkerung einen „Migrationshintergrund“ – das heißt sie selber oder beide Eltern wurden im Ausland geboren. Von diesem Viertel der Vorarlberger Bevölkerung sind 70 % selbst nach Österreich zugewandert (die „erste Generation“); 30 % sind bereits hier geboren (die „zweite Generation“).
Nach Wien ist Vorarlberg das Bundesland mit dem zweithöchsten Anteil an Personen mit Migrationshintergrund. Der gesamtösterreichische Durchschnitt liegt bei 22 %.

 

Tabelle 3: Bevölkerung nach Migrationshintergrund und Bundesländern

Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, Jahresdurchschnitt 2016. Die Werte sind Hochrechnungen.

 

August Gächter verwendet in einer aktuellen Studie zu Vorarlberg eine weitere Definition von „Migrationshintergrund“: Er bezieht bei der zweiten Generation nicht nur Personen ein, die in Österreich geboren sind und deren Eltern beide zugewandert sind, sondern auch Personen mit nur einem zugewanderten Elternteil. Nach dieser Definition haben 34 % der Vorarlberger Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren einen „Migrationshintergrund“ (d.h. sie selbst oder ein Elternteil ist zugewandert; Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016). Dieser Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen.

Quelle: Gächter, A. (2017): Entwicklung der Integration von aus dem Ausland zugezogener Bevölkerung und ihrer Kinder in Vorarlberg, im Auftrag von okay.zusammen leben, Dezember 2017; verfügbar unter: http://www.okay-line.at/file/656/integration-in-vlbg-gachter.pdf.


Historischer Rückblick - Zuwanderung von 1961 bis 2001

Dieser im Jahr 2004 verfasste historische Rückblick zeichnet die Veränderungen in der Zusammensetzung der Vorarlberger Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach: www.okay-line.at/file/656/2vorarlbergalseinwanderungsland.pdf