Vortragsangebote

Auf Nachfrage bieten wir gerne Vorträge zu den nachfolgenden Themen an - beispielsweise als Inputs in politischen Gremien, für interessierte Vereine, im Rahmen von Weiterbildungen oder bei diversen Veranstaltungen.

Bei Interesse, kontaktieren Sie bitte Caroline Manahl (caroline.manahl@okay-line.at).


„ ... und sie bewegt sich doch.“
Fortschritte in der strukturellen Integration von Zugewanderten in Vorarlberg

Wie verändert sich die Vorarlberger Bevölkerung durch Migration? Was wissen wir über den Verlauf der Integrationsprozesse von Zugewanderten der sogenannten „Gastarbeiter-Migration“ und ihrer Nachkommen in Vorarlberg? In welchen Bereichen zeigen sich positive Entwicklungen und worauf muss in Zukunft ein augenmerk gelegt werden? Diese und weitere Fragen können wir mithilfe der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, also basierend auf wissenschaftlicher Evidenz, beantworten.

Einblick gewähren uns die Mikrozensusdaten u.a. in die Bereiche Bildungsbeteiligung und Teilhabe am Arbeitsmarkt, und damit in zwei Bereiche, die in allen gängigen Modellen zur Erklärung und Beschreibung von Integrationsprozessen von Individuen und Gruppen als Schlüsselbereiche einer erfolgreichen Integration gesehen werden.

Diese Daten zeigen in den letzten Jahren deutliche positive Entwicklungen bei der Bildungsbeteiligung der „zweiten Generation“ in Vorarlberg. Auch die Teilhabe am Arbeitsmarkt von zugewanderten Frauen und ihren weiblichen Nachkommen hat sich trotz der langen Wirtschaftskrise verbessert und entspricht – besonders bei Frauen der zweiten Generation – nicht weit verbreiteten Klischees. Auffällig ist aber auch, dass sich die höheren Bildungsabschlüsse der „zweiten Generation“ bislang noch wenig in einer besseren beruflichen Positionierung niederschlagen. Und auch wenn die „erste“ und „zweite Generation“ zunehmend in Haus- und Wohnungseigentum lebt, bleibt der gemeinnützige Wohnbau (der als Indikator für die Einkommenssituation eines Haushalts gesehen werden kann) für die zweite Generation eine wichtige Wohnform.


„Sag’ wie hältst du’s mit den Geschlechterrollen?“
Die Geschlechterrollenfrage im Integrationsprozess

Wie denken Menschen über Geschlechterverhältnisse und wie leben sie diese? Welche Rollenbilder bringen ZuwanderInnen aus ihren Herkunftsländern mit? Wie beeinflussen diese Rollenbilder Ihre Integration in Bildung und Beschäftigung? Und welche Veränderungen lassen sich im Verlauf von Integrationsprozessen feststellen?

Fragen zu Geschlechterverhältnissen begleiteten in den letzten Jahrzehnten die Modernisierung und Liberalisierung vieler europäischer Gesellschaften und waren Gegenstand heftiger Debatten. Mittlerweile sind sie auch Teil der Debatte über Zuwanderung und Integration und werden auch zunehmend von Seiten der Wissenschaft beforscht.

Studien aus Deutschland und Österreich machen bspw. ersichtlich, dass die Einstellungen zu Geschlechterrollen der in den letzten Jahrzehnten zugewanderten „ersten Generationen“ häufig traditioneller und hierarchischer waren bzw. sind als die Einstellungen der Mehrheitsbevölkerung. Aktuelle Ergebnisse aus Flüchtlingsbefragungen zeigen aber auch, dass die Unterschiede auf Einstellungsebene oft geringer sind, wie es der öffentliche Diskurs erwarten ließe.

Für Integrationsprozesse besonders relevant ist die Erkenntnis, dass es im Generationenverlauf zu einer starken Annäherung der Einstellungen von Zuwanderinnen und Zuwanderern an die Mehrheitsbevölkerung kommt, sodass die Einstellungen und die gelebte Praxis der zweiten Generation jenen der Mehrheitsbevölkerung oft näher sind als den Einstellungen und der gelebten Praxis der Elterngeneration. Auch über die „Treiber“ von Veränderung auf Einstellungsebene bzw. in der Praxis ist inzwischen einiges bekannt.


"Die Landschaft des Islam in Vorarlberg"

Muslime und Musliminnen bilden heute rund 13 % der Vorarlberger Wohnbevölkerung. Sie kamen in den letzten Jahrzehnten meist durch Arbeits- aber auch durch Fluchtmigration aus vielen Ländern und Regionen nach Österreich und Vorarlberg. Seit den 60er Jahren bauen sie im Land nach und nach eine Infrastruktur für ihr religiöses Leben auf. Es gibt Gebetsräume und Moscheen in den Gemeinden und Städten, strukturiert nach  Konfessionen, Ethnien und religionsideologischen Richtungen. Der islamische Religionsunterricht, die Ausbildung von ReligionslehrerInnen und bald auch von ersten Imamen sowie die Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge werden analog zu den anderen anerkannten Religionsgemeinschaften in vom österreichischen Staat vorgesehenen Strukturen organisiert. Seit 2012 hat Vorarlberg einen Islamischen Friedhof.

Die Etablierung dieser Strukturen geht auch mit Auseinandersetzungen und Konflikten einher: In Bevölkerungsbefragungen zeigt sich gegenüber Muslimen und Musliminnen als Minderheit ein höheres Misstrauen als gegenüber anderen Gruppen. Auch bei der muslimischen Bevölkerung zeigen sich teilweise größere Vorbehalte gegenüber den Lebensformen in den Zuwanderungsländern als bei anderen Zuwanderungsgruppen. Der Neubau von Moscheen stieß nicht nur in Vorarlberg teilweise auf erheblichen Widerstand, und auch die wichtige kritische öffentliche Diskussion über die inhaltliche Ausrichtung einzelner Moscheevereine nimmt mit der Etablierung islamischer Strukturen zu. Mit diesen Entwicklungen steigt die Tendenz zur „Politisierung“ der Frage, die mehr von den Konflikten selbst lebt als von der Lösung und der Transformation von Konflikten. Diese Landschaft finden auch die überwiegend muslimischen Flüchtlinge der Fluchtmigration der letzten Jahre nach Vorarlberg vor.