Programm „mehr Sprache.“

mit den Programmbereichen Frühe Sprachförderung im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit und Sprachkompetenztrainings für Jugendliche

 

Das Programm „mehr Sprache.“ wurde 2007 von der Vorarlberger Landesregierung auf Basis einer Initiative des Landtags und eines Beschlusses aller vier damals im Landtag vertretenen Parteien initiiert. Mit der Entwicklung und Umsetzung wurde die Projektstelle für Zuwanderung und Integration okay.zusammen leben beauftragt.


Das Globalziel des Programms “mehr Sprache.” ist bzw. war, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder und Jugendliche in Vorarlberg ungeachtet ihrer familiären Herkunft eine bestmögliche Unterstützung ihrer Sprachentwicklung und ihrer sprachlichen Kompetenzen erhalten. Dafür Sorge tragen müssen bzw. können Familien, das soziale Umfeld von Familien, familienunterstützende Systeme und Institutionen und Bildungsinstitutionen. Sie alle adressiert bzw. adressierte das Programm „mehr Sprache.“ in und durch unterschiedliche Angebote, Produkte und Formate.


Die intensivste Phase der Umsetzung der verschiedenen Programmbereiche war zwischen 2007 und 2017. Seither wurden einige Programmbereiche ins Regelsystem überführt oder abgeschlossen (bspw. Weiterbildungsangebote für PädagogInnen); andere Programmbereiche sind weiterhin in Umsetzung (bspw. „BrückenbauerInnen“ und „Sprachkompetenztraining+“).


 
Weiterhin aktive Programmbereiche

 
„BrückenbauerInnen“

Adressierte Zielgruppe: PädagogInnen, Eltern

„BrückenbauerInnen“ sind interkulturell erfahrene (Laien-)DolmetscherInnen für die Kommunikation von PädagogInnen mit Eltern ohne bzw. mit wenig Landessprachkenntnisse(n). Sie sind damit eine wichtige Unterstützung für eine gute Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Bildungsinstitution. Diese Partnerschaft ist gerade in einem Bildungssystem, das stark von der Mitwirkung der Eltern abhängig ist, wichtig für das Fortkommen der Kinder. okay.zusammen leben führt einen Pool an LaiendolmetscherInnen (inkl. Weiterbildung und Supervision) und vermittelt die Einsätze an die Bildungsinstitutionen. Damit erschließen wir auch das spezifische Potential von Menschen mit Migrationshintergrund (Zweisprachigkeit, interkulturelle Kompetenz) für eine bessere Bildungsintegration unserer Kinder. Derzeit dolmetschen unsere „BrückenbauerInnen“ in 21 Sprachen.

Weiter zum Angebot: http://www.okay-line.at/okay-programme/brueckenbauerinnen/
 

Sprachkompetenztrainings+ (SKT+)

Adressierte Zielgruppe: Jugendliche am Übergang von der Pflichtschule in eine weiterführende Schule oder Lehre

Die Sprachkompetenztrainings+ sind eine Sprachfördermaßnahme mit einer durchschnittlichen Dauer von 100 Einheiten, die auf die Entwicklung von (bildungs-)sprachlichen Kompetenzen bei Jugendlichen am Übergang Schule/Arbeitsmarkt abzielt. Neben der Weiterbildung (bildungs-)sprachlicher Kompetenzen stehen zudem die Förderung und Festigung mathematischer Grundfertigkeiten, IKT- und sozialen Kompetenzen im Fokus.

Eine weitere Zielgruppe von SKT+ sind Organisationen, die mit Jugendlichen an der Schnittstelle Schule/Arbeitsmarkt arbeiten – wie die Offene Jungendarbeit oder Überbetriebliche Ausbildungszentren. Solchen Einrichtungen werden im Rahmen von Wissenstransfers die Methoden und Inhalte der Sprachkompetenztrainings vermittelt mit dem Ziel, dass sie Jugendliche besser alltagsintegriert bei ihrer Sprachentwicklung unterstützen können.

Die Sprachkompetenztrainings wurden 2011 und 2013 mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielten sie den Sozialpreis der Bank Austria für gemeinnützige Initiativen und Einrichtungen.

Weiter zum Angebot: http://www.okay-line.at/okay-programme/mehr-sprache-sprachkompetenztrainings-fuer-jugendliche/

 

Elternbildung für den frühen Spracherwerb im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit

Adressierte Zielgruppen: Eltern, Community-AkteurInnen wie Migrantenvereine, Hauptamtliche und MultiplikatorInnen im Feld Elternberatung und –bildung, Bibliotheken

Die Produkte und Formate im Bereich Elternbildung sprechen zwei Zielgruppen an: einerseits direkt Eltern mehrsprachig aufwachsender Kinder und darüber hinaus Personen, die in der Elternberatung und –begleitung tätig sind.

Die Angebote für Eltern sind:

  • Kostenloser zweisprachiger Elternratgeber zum Thema „Wie kann ich die Sprachentwicklung  meines Kindes fördern“ (erhältlich in sieben Sprachen plus Deutsch)
  • „Materialienpaket früher Spracherwerb“ für Eltern mit Spielen und mehrsprachigen Kinderbüchern inkl. einer konkreten Handreichung für Eltern (wieder in zweisprachigen Ausgaben), das in Bibliotheken und Ludotheken ausgeliehen werden kann.(1)
  • 12-stündige Eltern-Workshops zu Fragen des frühen Spracherwerbs (auch in den Herkunftssprachen der Eltern)

ElternberaterInnen und –bildnerInnen sind MultiplikatorInnen, die Informationen zum mehrsprachigen Aufwachsen an Familien weitergeben können. Auch für sie wurden in der Vergangenheit Angebote entwickelt, um ihr Wissen in Fragen der frühen (Sprach-)bildung im Kontext lebensweltlicher Mehrsprachigkeit zu festigen (bspw. Lehrgänge; Weiterbildungen).

Die Programmbereich Elternbildung wurde im Jahr 2010 mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet. Als besonderen Erfolg werten wir zudem die zahlreichen Lizenzverkäufe des mehrsprachigen Elternratgebers (an Schweizer Kantone bzw. kantonale Departements, an Liechtenstein, an andere österreichische Bundesländer und an einen bundesweit tätigen Verein).

Weiter zu den Angeboten: http://www.okay-line.at/okay-programme/elternratgeber/
 


Abgeschlossene Programmaktivitäten

 

Weiterbildungsangebote für PädagogInnen

Adressierte Zielgruppe: PädagogInnen der Frühen Bildung und der Pflichtschulen

Von 2008 bis 2019 wurden verschiedene Weiterbildungsangebote für PädagogInnen vom Bereich der frühkindlichen Bildung bis zum Pflichtschulbereich entwickelt und umgesetzt:

  • Ausgangspunkt war das Kompetenztraining „Deutsch als Zweitsprache unter den Bedingungen von Mehrsprachigkeit“ für PädagogInnen, die in Spielgruppen, Kindergärten und Volksschulen arbeiten. Zwischen 2008 und 2012 wurden in diesen 4-tägigen Trainings insgesamt 237 PädagogInnen geschult.
  • Von 2012 bis 2017 werden im Rahmen der „Lokale Sprachfördernetzwerke zur Weiterentwicklung der Qualität der frühen Sprachförderung in Vorarlberg“ PädagogInnenteams ganzer Kommunen umfassend in der Frage einer guten Sprachförderung aller Kinder geschult und trainiert.
  • Von 2015 bis 2017 wurde eine dreiteilige Workshopreihe für PädagogInnen im Pflichtschulbereich (Volksschule und Sekundarstufe I) angeboten, die sich der sprachlichen Förderung von QuereinsteigerInnen (Kinder und Jugendliche aus Krisenregionen) mit Schwerpunkt Deutscherwerb widmet.
  • Zudem brachten die ExpertInnen des Kompetenznetzwerks ihre Expertise im Auftrag von okay.zusammen leben in eine Vielzahl an Ausbildungs- und Weiterbildungsformaten in Vorarlberg ein.

Im Jahr 2016 wurde okay.zusammen leben von der Vorarlberger Landesregierung damit beauftragt, mit einem Team an Expertinnen ein Modell umfassender Sprachförderung zu entwickelt, das allen Vorarlberger Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zum Ende der Pflichtschule seit Ende 2018 als gemeinsamer Orientierungsrahmen dient - die „5 Bausteine umfassender sprachlicher Bildung“. Die Vermittlung der Inhalte des 5-Bausteine-Modells erfolgt unter Federführung der Bildungsdirektion Vorarlberg. Damit wurden wesentliche Inhalte dieses Programmbereichs ins Regelsystem überführt. Die „5 Bausteine“ wurden im Jahr 2019 mit dem Europäischen Sprachensiegel ausgezeichnet.

 
Lokale Sprachfördernetzwerke zur Weiterentwicklung der Qualität der frühen Sprachförderung in Vorarlberg

Adressierte Zielgruppe: Kommunen (als Institution und als Sozialraum)

Mit lokalen Sprachfördernetzwerken soll die gute und abgestimmte Zusammenarbeit möglichst vieler an der Sprachförderung von Kindern beteiligten Institutionen (Elternbildung, Familienservice, Migrantenvereine, Kinderbetreuung, Spielgruppen, Kindergärten, Volksschulen, Bibliotheken, ...) gefördert werden. Das Ziel ist, die Stoßkraft der Sprachförderung für alle Kinder, unabhängig von ihrer Erstsprache, entscheidend zu erhöhen und zu einer stärkeren Wirkung der einzelnen Maßnahmen beizutragen. Für den Aufbau dieser lokalen Sprachfördernetzwerke wurden 7 inhaltliche Leitlinien als Standards für die Entwicklung, Priorisierung, Bewertung und Wirkungsbeobachtung von Maßnahmen entwickelt. Zum Programmabschluss im Jahr 2021 umfasste dieses Netzwerk acht Kommunen (Bludenz, Dornbirn, Feldkirch, Frastanz, Hard, Lauterach, Rankweil, Wolfurt) in Vorarlberg.

Die Erfahrungen aus der Arbeit mit diesen Gemeinden und Städten sind in den „Orientierungsrahmen Sprachentwicklung“ eingeflossen, der die Umsetzung einer Präventionskette im Bereich der sprachlichen Entwicklung auf kommunaler Ebene unterstützen soll.

Die Lokalen Sprachfördernetzwerke erhielt 2014 den „Intercultural Achievement Award / Special Award for Integration“. Die Lokalen Sprachfördernetzwerke haben im Jahr 2015 außerdem das Europäische Sprachensiegel erhalten.

Details unter: http://www.okay-line.at/okay-programme/netzwerk-mehr-sprache/


 
Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für das Thema Mehrsprachigkeit

Adressierte Zielgruppe: Interessierte Öffentlichkeit

Diese Programmschiene war speziell in den ersten beiden Jahren der Programmumsetzung aktiv. Von 2008 bis 2009 begleitete die Vortragsreihe „mehrsprachig. Wegweiser zur Kommunikation im 21. Jahrhundert“ das Programm und schuf einen öffentlichen Diskurs- und Verständigungsrahmen für die aktuellen sprachpolitischen Entwicklungen und Debatten. Von 2008 bis 2019 haben ca. 1.500 Personen an diesen Veranstaltungen teilgenommen.


Die Inhalte des Programms „mehr Sprache.“, die Angebote, Formate und Wissensprodukte wurden entwickelt mit (in alphabetischer Reihenfolge): Elisabeth Allgäuer-Hackl, Beate Bröll, Simon Burtscher-Mathis, Renate Gaßner, Michaela Hermann, Andreas Holzknecht, Wilma Loitz, Simone Naphegyi, Brigitte Olschnögger, Gerlinde Sammer, Susanne Steinböck-Matt, Christine Troy und Siiri Willam.