2013: Themenfürhung: Ein Friedhof als Projekt der Beheimatung – Der Islamische Friedhof in Altach

28. Mai 2012, 18.30 bis ca. 20 Uhr
Friedhofsführung und interreligiöses Gespräch über Tod und Sterben in Christentum und Islam

Mit 80 TeilnehmerInnen

Dr. Eva Grabherr, okay.zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration, Prozessbegleitung Islamischer Friedhof Altach 2003 bis 2012
Dipl.-Ing. Dr. Jusuf Mesic, Mitglied der „Arbeitsgruppe Bau“ des Projekts „Islamischer Friedhof Altach“

Ort: Islamischer Friedhof Altach, Schotterried 1 (L 190 zwischen Hohenems und Götzis)

Die Führung stellt die vom Architekten Bernardo Bader geplante Friedhofsanlage und den von Azra Akšamija konzipierten Gebetsraum vor und informiert über die Entstehungsgeschichte des Friedhofs, der von den Anfängen bis zur Eröffnung ein Projekt religions- und kulturen-übergreifender Zusammenarbeit von Institutionen und Personen in Vorarlberg darstellt. In einem interreligiösen Gespräch werden gemeinsam mit den TeilnehmerInnen der Führung Aspekte islamischer und christlicher Rituale um Sterben und Tod gemeinsam vertieft.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Programms „Kultur des Lebens – Kultur des Sterbens. 10 Jahre Palliativstation Hohenems“ des Landeskrankenhauses Hohenems statt.

Hintergrundinformationen:

Am 2. Juni 2012 wurde in Altach der erste Islamische Friedhof Vorarlbergs eröffnet. Die Anlage für die rituell korrekte Bestattung von Muslimen und Musliminnen ist nach dem 2008 eröffneten Wiener Islamischen Friedhof die zweite in Österreich. Der Altacher Friedhof steht für Angehörige des Islam aller Gemeinschaften sowie aus allen Gemeinden und Städten Vorarlbergs offen. Unser Land zählt heute ca. 38.000 Muslime. Sie bilden mit 10 % des Anteils an der Wohnbevölkerung die zweitgrößte Religionsgruppe nach den Katholiken. Nach Vorarlberg kamen sie ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts durch Zuwanderung: türkische „Gastarbeiter/innen“, bosnische Arbeitsmigrant(inn)en auf Zeit, Flüchtlinge des Jugoslawien-Krieges in den 90er Jahren und aus Tschetschenien in den letzten Jahren sowie Menschen mit verschiedenen Wanderungshintergründen aus den Ländern Nordafrikas. Die Eröffnung des Friedhofs zeigt augenscheinlich, dass die ursprünglich als Zuwanderung auf Zeit angenommene und dementsprechend bezeichnete „Gastarbeitermigration“ auf einem Irrtum beider Seiten basierte: Viele der Menschen, die kamen, sind geblieben und machen jetzt mit ihren Kindern und Kindeskindern die neue kulturelle und religiöse Pluralität Vorarlbergs aus.