2012: TIES-Vorarlberg: Aktuelle Daten und Fakten zum Integrationsprozess der Zweiten Generation in Vorarlberg im internationalen Vergleich

Eine Informations- und Austauschveranstaltung von okay.zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration.

23. November 2012, 9.00 bis 16.30 Uhr
Hohenems, Salomon Sulzer-Saal & Pfarrsaal St. Karl

Mit 130 TeilnehmerInnen

 

Der Integrationsprozess von Zugewanderten in die europäischen Gesellschaften ist seit Jahren ein öffentlich intensiv diskutiertes Thema: auch in Österreich und Vorarlberg. Die einen betonen die Defizite; die anderen das bereits Erreichte. Die einen sehen Integration in erster Linie als Bringschuld von Zugewanderten; andere betonen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als Faktoren von Integrationsprozessen. Auch noch nie in der Geschichte von Migrations- und damit verbundenen gesellschaftlichen Integrationsprozessen wurden diese wissenschaftlich so genau begleitet und dokumentiert wie aktuell in Europa.

Eines dieser aktuellen Forschungsprojekte ist die Studie zur Integration der 2. Generation in ausgewählten europäischen Ländern mit dem Namen TIES. An dieser Studie hat sich auch Vorarlberg beteiligt. Dieses Forschungsprojekt ermöglicht auch für unser Land erstmalig einen genauen Blick auf den Verlauf des Integrationsprozesses der ab den 60er Jahren nach Vorarlberg Zugewanderten aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien und der Türkei.

TIES steht für „The Integration oft the European Second-Generation“ und ist ein internationales Forschungsprojekt zur Integration der Zweiten Generation von Zuwanderern, an dem die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweiz und Schweden teilnehmen. TIES untersucht den Stand der Integration der Zweiten Generation in jeweils zwei Großstädten dieser Länder in verschiedenen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Schwerpunktmäßig wurden Daten zu den Bereichen Ausbildung (Bildungskarriere und –hindernisse), Erfahrungen am Arbeitsmarkt, soziales Beziehungsnetzwerk (Partnerschaft, Eltern, Freundschaften), Wohnen und Nachbarschaft, Identität und Religion sowie politische Partizipation erhoben. Dazu wurden vom jeweiligen Einwanderungsland abhängig türkische, marokkanische und aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 35 Jahren befragt. Bedingung ist, dass sie bereits im Einwanderungsland geboren wurden. Als Vergleichsgruppe wurden gleichaltrige Erwachsene der autochthonen Bevölkerung, bei denen beide Elternteile im jeweiligen Untersuchungsland geboren sind, befragt. (Informationen zum TIES-Forschungsprojekt: www.tiesproject.eu)

Für Österreich gibt es Ergebnisse zu den Städten Wien und Linz sowie zu Vorarlberg. Die Vorarlberger Studie wurde unter Bezugnahme auf das internationale Forschungsprojekt im Auftrag der Vorarlberger Landesregierung von der Projektstelle „okay.zusammen leben“ durchgeführt. Es ist die erste umfassende repräsentative sozialwissenschaftliche Studie zum aktuellen Integrationsprozess von Zugewanderten für Vorarlberg.

Die Länder-, Gruppen- und Generationen-übergreifende Vorgehensweise von TIES macht es möglich, Faktoren zu identifizieren, die einen Einfluss auf den Verlauf von Integrationsprozessen nehmen. Welche Rolle spielen Länder-Kontexte? Welche das Bildungskapital von Eltern? Wie verläuft der Prozess zwischen den Generationen? Die TIES-Studie ist ein gewichtiger Beitrag zum Verständnis von Integrationsprozessen und hat damit das Potential, zu einer effektiveren gesellschaftlichen Gestaltung dieser Prozesse sowie einer genaueren und qualitätsvolleren Debatte beizutragen.
Die Ergebnisse der TIES-Studie für Vorarlberg werden zwischen November 2012 und Mai 2013 in 3 öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt. Die erste dieser Veranstaltung findet am 23. November 2012 in Hohenems statt.


Programm der Veranstaltung am 23. November 2012:

Ab 8.30: Empfang
Ort: Salomon Sulzer-Saal, Hohenems (Schweizer Straße 21)

9.00 bis 12.30: Vorträge

Ergebnisse der TIES-Studie Vorarlberg zur Bildung der Zweiten Generation: Bildungsstand und Faktoren der Bildungsintegration
Dr. Simon Burtscher-Mathis, okay.zusammen leben

Die 2. Generation  in Europa – Schulbildung der Nachkommen von EinwanderInnen aus der Türkei in ausgewählten Ländern
Mag. Barbara Herzog-Punzenberger, Leiterin des österreichischen Teils des internationalen Forschungsprojektes TIES, verantwortlich für den Bereich „Mehrsprachigkeit-Interkulturalität-Mobilität“ am Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (bifie)

Ergebnisse der TIES-Studie Vorarlberg zu den identitären Dimensionen von Integration: Zugehörigkeit, Sprache, Religion und Zusammenleben
Dr. Eva Grabherr, okay.zusammen leben

Jugendliche im kulturell vielfältigen Vorarlberg: Inhaltliche Verbindungen zwischen der TIES-Studie und der Studie „Lebenswelten – Werthaltungen junger Menschen in Vorarlberg“ (Innsbruck: Studien-Verlag, 2011)
Dr. Gabriele Böheim, Vizerektorin der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg


14.00 bis 16.30: Vertiefung und Austausch
Ort: Pfarrsaal St. Karl, Hohenems (Marktstraße 1a)

Am Nachmittag stehen die drei ReferentInnen Barbara Herzog-Punzenberger, Simon Burtscher und Eva Grabherr in zwei Runden für vertiefende Analysen, Fragen und einen gemeinsamen Austausch über die Schlussfolgerungen für die Integrationsarbeit zur Verfügung.

Ab 16.30: Aperó