2013: TIES-Vorarlberg: Zweiheimisch als Normalität! Ergebnisse zur Arbeitsmarktintegration und zur Religiosität

Eine Veranstaltung von okay.zusammen leben/Projektstelle für Zuwanderung und Integration mit 97 TeilnehmerInnen.

5. April 2013, 9.00 bis 17 Uhr
Feldkirch, Pförtnerhaus (Reichenfeldgasse 9)

 

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Der Integrationsprozess in Diskussion
Der Integrationsprozess von Zugewanderten in die europäischen Gesellschaften ist seit Jahren ein öffentlich intensiv diskutiertes Thema: auch in Österreich und Vorarlberg. Die einen betonen die Defizite; die anderen das bereits Erreichte. Die einen sehen Integration in erster Linie als Bringschuld von Zugewanderten; andere betonen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als Faktoren von Integrationsprozessen. Auch noch nie in der Geschichte von Migrations- und damit verbundenen gesellschaftlichen Integrationsprozessen wurden diese wissenschaftlich so genau begleitet und dokumentiert wie aktuell in Europa. Eines dieser aktuellen Forschungsprojekte zum Integrationsprozess von Zugewanderten in die europäischen Gesellschaften ist die Studie TIES. TIES steht für "The Integration of the European Second-Generation" und ist ein internationales Forschungsprojekt zur Integration der zweiten Generation von Zugewanderten, an dem die Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweiz und Schweden teilgenommen haben. In Österreich hat sich neben den Großstädten Wien und Linz auch Vorarlberg als ländliche Region mit Zuwanderung beteiligt. Dieses Forschungsprojekt ermöglicht auch für unser Land erstmals einen genaueren Blick auf den Verlauf des Integrationsprozesses der ab den 60er Jahren Zugewanderten aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien und der Türkei. "okay.zusammen leben" stellt die Ergebnisse der Vorarlberger Befragung in drei öffentlichen Veranstaltungen vor. Die zweite dieser Veranstaltung ist die hier angekündigte am 5. April dieses Jahres im Pförtnerhaus in Feldkirch.

Wie verläuft der Integrationsprozess der zweiten Generation Zugewanderter in Europa in den einzelnen sozialen Feldern?
TIES untersucht den Stand der Integration der zweiten Generation in jeweils zwei Großstädten dieser Länder und in Österreich zusätzlich in Vorarlberg in verschiedenen gesellschaftlich relevanten Bereichen: Wie verläuft die Bildungs- und Arbeitsmarktintegration? Wie gestaltet sich das soziale Beziehungsnetzwerk (Partnerschaft, Eltern, Freundschaften)? Wie bildet die zweite Generation ihre Zugehörigkeit zwischen dem Land ihres Aufwachsens und dem Herkunftsland ihrer Eltern aus? Was berichtet sie in der Befragung über ihre Sprachkenntnisse und ihre Religiosität? Wie transkulturell lebt sie wirklich? Erlebt sie Diskriminierung und wie partizipiert sie politisch und gesellschaftlich? Dazu wurden vom jeweiligen Einwanderungsland abhängig türkische, marokkanische und aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 35 Jahren befragt. Bedingung für die Teilnahme an der Befragung war, dass sie bereits im Einwanderungsland geboren wurden. Als Vergleichsgruppe wurden gleichaltrige Erwachsene der autochthonen Bevölkerung, bei denen beide Elternteile im jeweiligen Untersuchungsland geboren sind, befragt. Diese Länder-, Gruppen- und Generationen-übergreifende Vorgehensweise macht es in der Analyse möglich, Faktoren zu identifizieren, die einen Einfluss auf den Verlauf von Integrationsprozessen nehmen. Welche Rolle spielen Länder-Kontexte? Welche das Bildungskapital von Eltern? Wie verläuft der Prozess zwischen den Generationen? Wie wirken sich strukturelle Faktoren wie Bildung und Arbeitsmarktintegration bspw. auf Religiosität und Geschlechterrollenbilder aus? Die TIES-Studie ist ein gewichtiger Beitrag zum Verständnis von Integrationsprozessen und hat damit das Potential, zu einer effektiveren gesellschaftlichen Gestaltung dieser Prozesse sowie einer genaueren und qualitätsvolleren Debatte beizutragen.

TIES-Vorarlberg - Vermittlung der Forschungsergebnisse
Die Ergebnisse der TIES-Studie für Vorarlberg wurden von "okay.zusammen leben" ausgewertet und werden der interessierten Öffentlichkeit in drei Veranstaltungen vorgestellt. Die erste öffentliche Veranstaltung der Reihe am 23. November letzten Jahres beschäftigte sich mit der Bildungsintegration und der Identitätsbildung der zweiten Generation in Vorarlberg. Die zweite hier angekündigte Veranstaltung am 5. April in Feldkirch wird die Ergebnisse zur Arbeitsmarktintegration und zur Religiosität der zweiten Generation vorstellen. Auf dieser Veranstaltung wird Fenella Fleischmann von der Universität Leiden (Niederlande) mit Ergebnissen ihrer länderübergreifenden Forschung zur Religiosität junger Muslime in Europa aus soziologischer Perspektive zur Vertiefung der Ergebnisse der Vorarlberger TIES-Studie im Bereich Religiosität beitragen. Die dritte und die Reihe abschließende Veranstaltung findet am 13. Juni, von 14.00 bis 17.00 Uhr, im Löwensaal in Hohenems statt.


Programm der Veranstaltung am 5. April 2013:
Ort: Feldkirch, Pförtnerhaus (Reichenfeldgasse 9)

Ab 8.30: Empfang

9.00 bis 12.15: Begrüßung und Vorträge

Ergebnisse der TIES-Studie Vorarlberg zur Arbeitsmarktintegration der Zweiten Generation in Vorarlberg
Dr. Simon Burtscher-Mathis, okay.zusammen leben

Ergebnisse der TIES-Studie Vorarlberg zur Religiosität der Zweiten Generation in Vorarlberg: Verbundenheit, religiöse Praxis und Haltungen
Dr. Eva Grabherr, okay.zusammen leben

Die Religiosität junger Muslime und Musliminnen in Europa aus soziologischer Perspektive: Einblicke in die Ergebnisse und Analysen der internationalen TIES-Studie
Dr. Fenella Fleischmann, European Research Center on Migration and Ethnic Relations/Universität Leiden (Niederlande)

12.15 bis 14.00: Mittagspause

14.00 bis 17.00: Vertiefung und Austausch zu den Vormittagsvorträgen

Am Nachmittag stehen die drei ReferentInnen Fenella Fleischmann, Eva Grabherr und Simon Burtscher in zwei Runden für vertiefende Analysen und Fragen zu den Vorträgen am Vormittag und einen gemeinsamen Austausch über Schlussfolgerungen für die Integrationsarbeit zur Verfügung.

Ab 17.00: Aperó


Informationen:
Die veröffentlichten Papiere der TIES-Studie Vorarlberg finden Sie hier: www.okay-line.at/ties-papiere
Informationen zur internationalen TIES-Studie finden Sie hier: www.tiesproject.eu